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1906 wurde diese Kirche gebaut, mit Material einer Vorgängerkirche, die auf Haus Reck stand. Die kleine Kapelle liegt schon auf dem Gebiet der Stadt Hamm, das Dorf Lerche ist jedoch Kamener Gemeindegebiet. Eine evangelische Gemeinde gab es hier schon seit 1567, also schon 50 Jahre nach Luthers Thesenanschlag. Ende der neunziger Jahre erhielt die Kirche neue Fenster, die nach Entwürfen des chilenischen Künstlers José Franzesco Correa Lira angefertigt wurden. Die alte und junge Geschichte wird dort sichtbar: Abendmahl und Grubenlampe finden sich gleich nebeneinander auf den Kirchenfenstern. Sichtbare Predigten auf Gemälden aus Glas.

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Archiv

18. August 2010

Werften, Wind und Wattenmeer...

UNNA.    Langsam zog sich der Waldweg durch den Ihlower Forst den kleinen Hügel hinauf. Bunte Sommerwiesen im Glanz der Morgensonne, eine unglaubliche Stille, eine Lichtung - dann wurden die 28 Frauen vom Bezirksverband der Ev. Frauenhilfe im Kirchenkreis Unna, die sich der diesjährigen Studienfahrt ins Emsland angeschlossen hatten, auch schon in den Zauber einer ganz in Stahl gefassten fast schon imaginär wirkenden Klosterkirche Ihlow gezogen. Im Ihlower Wald hatte sich um 1228 das größte der 28 Klöster von Ostfriesland gegründet. Zisterzienser Mönche waren hier in der "Schola Dei", der Schule Gottes, über dreihundert Jahre zu Hause, widmeten sich den Wissenschaften, rodeten das Land und bebauten es. Betend und lehrend waren die Mönche hier für die Menschen in ihrer Umgebung präsent. Ihr Auftrag "Ora et Labora", bete und arbeite, wurde zum Inhalt jedes Arbeitstages. "Die Reformation, veränderte politische Zeiten, die Säkularisierung und nachgeborene Herrschergenerationen brachten auch dieser Region eine grundsätzliche Veränderung", weiß Annemarie Hübbe aus Holzwickede, die leitend an dieser Studienfahrt teilnahm. Die Klöster Ostfrieslands seien der neuen reformierten Lehre und damit dem Abbruch zum Opfer gefallen. Der berühmte gotische Schnitz-Altar dieser Klosterkirche konnte aber bewahrt werden und ist heute in der Auricher Lamberti-Kirche zu bewundern. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand sich dann eine Gruppe von Menschen zusammen, um hunderte Jahre später nach alten Grundrissen und Mauern zu forschen, und nachzuschauen, was noch geblieben war vom einstigen klösterlichen Leben in dieser Gegend. Bei ihren Ausgrabungen fündig geworden, machten sie Wissenschaftler und Ämter neugierig auf das, was sonst noch in diesem Boden schlummert. Eine Mitarbeiterin dieser Initiative stellte den Frauen aus dem Kirchenkreis Unna die Besonderheiten dieser Klosteranlage vor. Rasch waren alle Frauen der Arbeit und dem Leben der Mönche von einst hier ganz nahe. Der Klostergarten mit hilfreichen Erläuterungen zu Kräutern und Heilpflanzen begeisterte die Frauen. Er gab zugleich Zeugnis ab von der praktischen Arbeit der Mönche. In der Krypta unter dieser Anlage wurde das Ausmaß der Grabungen deutlich. Die Geschichtsausstellung und ein "Raum der Stille" rundeten den Besuch beeindruckend ab. Der Blick auf und in die alten wie reichen Landstädte Leer und Aurich sowie eine Kanalfahrt durch Wiesen und Bauernland ließen etwas von den Besonderheiten dieser Region Emsland erahnen. Der Kontrast zwischen modernster Technik und Industrie wie auch der Darstellung der harten Wirklichkeit in der Trockenlegung der Moorgebiete im Friesischen, konnte größer nicht sein. In der Meyerwerft dann Luxus-Liner für die Weltmeere - wie schwimmende Städte mit über 6.000 Menschen an Bord - und dagegen das erbärmliche Leben der Menschen vor knapp 200 Jahren, die die Moore unter unglaublich ärmlichen Lebensverhältnissen zur Nutzung erschlossen. Dann der andere Teil dieses fast vergessenen Landes: Ostfriesland mit der stolzen Hafenstadt Emden. Da, so Annemarie Hübbe, habe man noch etwas von den Wikingern und den "Störtebekers", von dem Drang der Seeleute gespürt, die Meere zu erobern und den erreichten Wohlstand im gediegenen und stolzen Stadtbild zu präsentieren. Eine Grachtenfahrt ließ einmal mehr den beschaulichen Reichtum dieser Stadt deutlich werden. Ostfriesland ist noch echtes Bauernland - das erfuhren die Frauen auf ihrer idyllischen Krummhörn-Rundfahrt. Haufenwolken auf tiefblauem Grund, die prächtigsten Rosenbüsche oder das perfekte Runddorf Rysum mit der Kirche im Mittelpunkt und einer der ältesten Orgel im europäischen Raum. Greetsiel mit seinen Windmühlen und dem Charme einer kleinen Fischerhafenstadt, die Stadt Norden mit Marktplatz und Ludgerikirche rundeten dieses Bild einer viel zu wenig wahrgenommen Region ab. Einprägsam wie anrührend auch das letzte Bild vor der Rückfahrt: Eine Ostfriesin, fröhlich lachend, verteilt am Bus fertig gebutterte Rosinenbrote und winkte allen zum Abschied zu: "Schön, dass Ihr hier wart!" Tonino Nisipeanu