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Dorfkirche Bausenhagen Die Evangelische Dorfkirche ist zwischen 1180 und 1200 als romanische Wehrkirche errichtet worden. Seit über 800 Jahren wird in ihr den Menschen das Wort Gottes verkündet.Bis zum Bau einer neuen katholischen Kirche im Jahr 1875 ist sie als St. Agnes-Kirche von beiden Konfessionen („simultan“) genutzt worden. In den Jahren 1997/98 wurde die Kirche grundsaniert. Anschließend erhielt sie eine zeitgenössischen Innenausstattung und sieben moderne Fenster; sie alle beruhen auf einem der „Ich bin“–Worte Jesu aus dem Johannesevangelium. Der Künstler Andreas Felger aus Gnadenthal (Limburg) hat diese „Predigten aus Glas“ entworfen. Das Deckenfresko mit einem Durchmesser von 140 cm zeigt Christus, den Weltenrichter („Christus Panokrator“) und stammt aus der Entstehungszeit der Kirche. Es wurde 1957 unter Putzschichten wiederentdeckt.

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Archiv

01. März 2018

100 Jahre Frauenwahlrecht - Andacht März

Marie Juchaz, Helene Weber und Renate Krull - Wegbereiterinnen für die Rechte der Frauen.

Wir feiern einen runden Geburtstag. Im Jahr 1818 wurde der Kirchenkreis Unna gegründet. Das nehmen wir zum Anlass, in jedem Monat einen Blick auf Jubiläen und Geburtstage zu werfen. Das können Personen, Erfindungen oder Ereignisse sein. Nicht immer sind es runde Jubiläen, aber immer stehen sie auch in einem Zusammenhang zu uns oder unserer Arbeit. In diesem Monat ist es das Frauenwahlrecht, dass vor 100 Jahren eingeführt wurde.

„Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Hedwig Dohm war eine der unerschrockenen Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht. 1873 forderte sie explizit das Stimmrecht für Frauen. Das Wahlrecht war für sie Voraussetzung für jegliche Entwicklung hin zu einem gleichberechtigten Miteinander der Geschlechter. Es sollte noch lange dauern, bis im November 1918 endlich das Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde. Schon 1848 waren erste Stimmen für das Frauenwahlrecht laut geworden. Damals gab es Rufe nach freien allgemeinen Wahlen, nicht nur für einflussreiche und reiche Männer, sondern für alle Männer und eben auch für Frauen.

Frauenrechte in Politik und Kirche

Die politischen Kräfte waren sogar früh dran. In den Kirchen waren wir da deutlich später so weit. Die ersten Frauen taten ihren pfarramtlichen Dienst, als im 2. Weltkrieg die Männer fehlten. Später durften sie als Vikarinnen ein besonderes Amt ausüben, aber nicht die Sakramente verwalten (z.B. Abendmahl). Als gleichberechtigte Pfarrerinnen wurden sie in Westfalen erst 1974 anerkannt. Bis dahin gab es eine deutliche Zweiteilung der Rechte für Männer und Frauen.

Im politischen Bereich war das anders. Nachdem 1918 das allgemeine Wahlrecht eingeführt worden war, war Marie Juchacz eine der ersten Parlamentarierinnen. Bei der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung gab es bei insgesamt 423 Abgeordneten 37 Frauen (8,7%). Marie Juchacz war die erste Rednerin in der Versammlung am 19. Februar 1919. Ihre ersten Worte wurden mit „Heiterkeit“ begleitet:

Meine Herren und Damen!“ (Heiterkeit.) „Es ist das erste Mal, dass eine Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.

Ganz überwunden waren die Vorurteile noch längst nicht. Das wissen wir heute. Gerade in den christlichen Kirchen gibt es auch heute noch Benachteiligung von Frauen - auch, wenn in der evangelischen Kirche Frauen mittlerweile selbstverständlich Pfarrerinnen sein können, es eine Präses in Westfalen und andernorts manche Bischöfinnen gibt! Auch heute noch gibt es Gemeinden, die keine Frau im Pfarramt wollen.

Wahlrecht ist Grundrecht

Die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren ist nur ein Schritt auf dem Weg hin zu einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt leben. Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Rund um diesen Tag wird auch in den Städten im Kreis Unna in unterschiedlichen Formen an die Sehnsucht nach Gleichberechtigung von Frauen erinnert.

Wir als Christinnen und Christen sollten es eigentlich schon längst besser wissen: Schon Paulus schrieb in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien: „Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus.“ (Gal 3,28) Aber er schrieb auch: „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ Selbst zu neutestamentlichen Zeiten war das umstritten. Und so ist selbstverständlich, welche Aufforderung lieber befolgt wurde. Die Gleichheit der Menschen, egal ob Mann oder Frau, war bei denen, die die Macht hatten, kein Thema. Verstärkt wurde über viele Jahrhunderte der Gedanke der Vormacht der Männer.

Marie Juchacz gehört mit einigen anderen mutigen Frauen zu den politischen Wegbereiterinnen für Frauen. Da sie auch die Arbeiterwohlfahrt gründete, finden wir ihren Namen auch in heutigen Stadtplänen: Altenheime, Straßen und Plätze tragen ihren Namen. Andere Frauen wie die vier Mütter des Grundgesetzes Elisabeth Selbert (SPD), Friederike Nadig (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrumspartei) oder die erste Frau im Pfarramt in Westfalen Renate Krull (1. Januar 1960 in Dortmund) sind Stationen auf dem Weg hin zu einer gleichberechtigten Gesellschaft, in der aber eine Kanzlerin und eine Präses immer noch die ersten ihrer Art sind.

Wie gut, dass es zumindest seit 100 Jahren das Wahlrecht für Frauen gibt! Das ist ein Grund zu feiern!

Gott sei Dank!

Pfarrerin Elke Markmann,
Leiterin des Referates für Frauenarbeit und Gleichstellungsbeauftragte
im Ev. Kirchenkreis Unna

 

Quellen:

  • „Theologinnen in der Evangelischen Kirche von Westfalen“ Drei Erfahrungsberichte. Luther-Verlag, Bielefeld 1990
  • Isabel Rohner, Rebecca Beerheide (Hg): 100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! … und weiter?“ Ulrike Helmer Verlag Sulzbach 2017
  • Artikel „Marie Juchacz“ bei Wikipedia
  • Artikel „Weimarer Nationalversammlung“ bei Wikipedia
  • Zum Thema „Gleichstellung im Pfarramt“ gibt es viele unterschiedliche Publikationen. Hingewiesen sei hier auf den Gleichstellungsbericht der Frauen im Pfarramt, herausgegeben vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen

 

Das Thema nimmt auch ein Frauensalon auf:

Samstag, 10. März 2018, 15 bis 17 Uhr
100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! ...und weiter?
Vortrag und Gespräch mit der Autorin und Herausgeberin des Buches „100 Jahre Frauenwahlrecht“, Rebecca Beerheide, Berlin
Musik: Armine Ghuloyan, Klavier, Unna
Ort: Ratssaal im Stiftsgebäude, Kirchplatz 2, 58730 Fröndenberg
Eintritt: 7,00 € (Kartenvorverkauf an der Information im Rathaus 1)

Alle "Geburtstags-Andachten" finden Sie hier