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Paul-Gerhardt-Kirche Bereits im Jahr 1964 war der Wunsch nach einer eigenen Kirche groß, ein Kirchbauverein sammelte fleißig und in der ersten Sitzung des Presbyteriums dieser Gemeinde wird beschlossen, eine eigene Kirche zu bauen: Im Herbst 1968 kamen die ersten Bagger, am 26.4.1970 wurde Kirchweihfest gefeiert. Die Kirche wurde auch als Garnisonskirche für die nahe liegende Glück-auf-Kaserne erbaut. Im Kirchenraum fällt zuerst der komplett aus Sandstein gefertigte Innenraum auf. Der Architekt Werner Johannsen hat einen quadratischen Grundriss gewählt. Eingangsportal, Kreuz, Altar und Taufbecken wurden von dem Bildhauer Heinz Heiber aus Nürnberg gestaltet. Besonderer Blickfang ist hier das Kreuz, dass mit 4 Metern Höhe zentraler Ort in Chorraum ist. Beleuchtet wird die Kirche durch die Kirchenfenster vom Bremer Glasmaler Heinz Lilienthal. In jede Himmelsrichtung ist ein großes Fenster vom Boden bis zum Dach, so dass zu jeder Tageszeit Sonnenlicht in bunten Farben in die Kirche fällt.

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Archiv

24. September 2022

Tolerieren heißt sich überwinden

Altbundespr?sident Joachim Gauck zu Gast in Kamen

Altbundespräsident Joachim Gauck in Kamen

Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal im Gemeindehaus Kamen zeigte: die Besucher der „Kamener Kanzel“ benötigten die eigentliche Kanzel nicht, ebenso wenig der Gast Altbundespräsident Joachim Gauck. Die Kanzel war nun das Rednerpult, ist doch die echte Kanzel in der Kirche wegen Renovierungsarbeiten nicht nutzbar. Doch auch von hier erreichten die Gedanken und Positionen Gaucks zum Thema Toleranz die rund 250 Besucher.

Dem ca. 80minütiem Vortrag, übrigens gänzlich ohne geschrieben Vorlage gehalten, stellt Gauck einen Blick auf Russland und den Krieg in der Ukraine voran. Es ist ein ernüchternder Blick auf das Putin-Regime: rechtlos und grenzenlos mit Macht ausgestattet. „So entsteht eine ganze Generation der Unfreien, da viele diesen Zustand für normal halten.“ Noch eindeutiger wird er in der Frage nach dem Schuldigen im Krieg: „All das, was uns wichtig ist, die Freiheit und Demokratie, ist Putin zuwider. All das wollte die Ukraine nun auch. Selten ist in der Politik so klar zwischen Gut und Böse zu trennen, wie in diesem Fall.“ Als Position Deutschlands sei für ihn damit unbestritten nötig: Waffenlieferung und militärische Unterstützung der Ukraine sind unerlässlich. „Als Christ sage ich: dem Überfallenen am Straßenrand nahe zu sein und zu helfen, dass er zu seinem Recht kommt, das ist christlich.“ 

Lebensthema Toleranz

Den größeren Teil des Abends verbrachte Joachim Gauck mit dem Thema Toleranz. Eingewoben in zahlreiche biografische Erzählungen, von der Kindheit in Rostock über die Zeit als frei gewählter Vertreter der Volkskammer und spätere Leitung der „Gauck“-Behörde und seiner Präsidialzeit, ermutigte er zur der Tugend der Toleranz. „Er ist ja immer ein überwinden, wenn uns Toleranz abgefordert wird. Sonst ist es Akzeptanz, das ist ja viel leichter.“ Gerade der Umgang mit Menschen, die so anders und fremd denken, zeige sich aber die Toleranz. Aber es gibt auch Grenzen der Toleranz für ihn: „Es ist eine Tugend, Intolerante abzulehnen.“

Vor der Lesung war Joachim Gauck eingeladen, sich in das Goldene Buch der Stadt Kamen einzutragen. Bürgermeisterin Elke Kappen begrüßte Gauck und hatte als Geschenk einen Scheck für eine von ihrem Gast zu benennende Einrichtung mitgebracht. Im Anschluss an die Lesung nutzen viele Besucher die Gelegenheit, eine persönliche Widmung in einem Buch zu erhalten und ein paar Worte mit Gauck zu wechseln. Mit viel Zugewandtheit widmete Gauck sich jedem Gast.

In der Reihe Kamener Kanzel stehen nun im zehnten Jahr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die mit einer Lesung oder einem Vortrag gesellschaftliche Themen mitbringen. So waren dort vorher schon Christiane Westermann (Abschied), Dunja Hayali (Demokratie) oder Hellmut Karrasek (Heimat) zu Gast. Die Reihe wird veranstaltet von der Ev. Kirchengemeinde Kamen und dem Ev. Kirchenkreis Unna.