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Ev. Kirche Heeren-Werve Die Anfänge der denkmalgeschützten Dorfkirche liegen im 14. Jahrhundert. Besonders auffällig sind die „Heerener Giganten“, zwei Skulpturen im Seitenschiff, die der hiesige Künstler Dietrich Worbs aus wuchtigen Baumstämmen gestaltet hat („Familie in Gottes Hand“ sowie sieben biblische Szenen in einem Stamm). Von der bewegten Geschichte der Kirche erzählen u. a. die Totenschilder der Kirchenpatrone (bis 1950 Patronatskirche der Grafen von der Recke bzw. von Plettenberg), die Kopfkonsolen als Gewölbestützen sowie das bis heute einwandfrei funktionierende Uhrwerk der Kirchturmuhr von 1910. Sehenswert sind auch die Chorraumfenster mit Motiven aus der Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichten. Musikinteressierte mögen sich an der Walcker-Orgel erfreuen, die vom weltberühmten Organisten Wilhelm Middelschulte und seiner Familie 1910 gestiftet wurde.

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Archiv

26. Oktober 2016

Von der Freiheit eines Christenmenschen

Am 31.11.2016 wird es eingeläutet, das Jubiläumsjahr. Die Evangelische Kirche feiert einen runden Geburtstag: 500 Jahre ist es dann im nächsten Jahr her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg nagelte. Damit wollte er die Tür nicht fest verschließen, sondern einen neuen Zugang schaffen. Gott schenkt uns seine Gnade und Liebe umsonst. Wir müssen sie uns nicht erst einkaufen. Luthers Suche galt dem gerechten Gott. Bis in tiefste Verzweiflung stürzte ihn die Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Diese existenzielle Wucht löst die Frage nach Gottes Gerechtigkeit heute sicher nicht mehr aus. Das hängt damit zusammen, dass Luthers Erkenntnis, aber auch wie Entwicklung des Humanismus, das Fortschreiten der Naturwissenschaft und die Entgrenzung der Welt durch die Entdeckung Amerikas, sowie der wirtschaftliche Aufschwung des Bürgertums, dem fest gefügten Gesellschaftbild des Mittelalters den Boden unter den Füssen wegzogen. Langsam entwickelte sich das mündige Individuum, das nach Gott, der Welt und der Gesellschaft fragt, also nichts als fraglos hinnimmt. Luthers reformatorische Erkenntnis war nur ein, wenn auch zentraler Baustein bei der Entwicklung unserer individualisierten Wissensgesellschaft. Diese Entwicklung hat den Einzelnen frei gemacht von kirchlicher und staatlicher, bzw. fürstlicher Bevormundung. Sie führt den einzelnen Christen in die „Freiheit eines Christenmenschen“ (M. Luther)

Befreit für den Nächsten

Zugleich ist für Luther diese Freiheit aber immer zugleich „Dienstbarkeit“, das heißt, ein Christenmensch ist jedem Untertan und Knecht. Denn nur so funktioniert eine Gruppe, eine Gesellschaft, eine Kirche noch, nur wenn die persönliche Freiheit in das Gegenüber der Gruppe eingebunden ist.

In seinem Buch „Kinder der Freiheit“ charakterisiert der Soziologe Ulrich Beck unsere Gesellschaft mit dem Begriff der Freiheit. Die Freisetzung von Tradition und Normen schafft immer auch die Notwendigkeit, sich selbst zu entscheiden – und mit dieser individuellen Entscheidung zugleich auch zu scheitern. Und diese persönlichen Entscheidungen durchziehen alle unsere Lebensbereiche: Beruf, Familie, Politik und eben auch den Glauben und die Religion. Kinder der Freiheit können sich auch frei gegen die Religion entscheiden.

Zu Luthers Zeiten war es gefährlich den Monopolisten auf dem Sinn-Markt, die katholische Kirche, in Frage zu stellen. Das gefährdete das eigene Leben. Viele wurden als Häretiker verurteilt. So traf die Frage nach dem „wie“ des Glaubens Luther mit aller existenziellen Wucht. Heute gibt es einen freien und unübersichtlichen Markt der Möglichkeiten, auf dem wir uns bei der Sinn-Suche bedienen können.

Freiheit schafft Vielfalt

Ein Zurück hinter die kritischen Geister von Aufklärung und Wissenschaft gibt es nicht – auch wenn manche davon träumen. Um die „Kinder der Freiheit“ zu erreichen braucht es Überzeugungskraft und auf die unterschiedlichsten Menschen hin ausgerichtete Angebote. Auch im Fernsehen gibt es mittlerweile ja mehr als drei Programme. Warum sollte die Kirche nicht auch in die neue Programmvielfalt einsteigen. Und das ist schließlich auch gut biblisch: Es gibt vier verschiedene, ja zum Teil sehr unterschiedliche Evangelien, die alle auf ihre unverwechselbare Art und Weise die Geschichte Jesu erzählen und seine Frohe Botschaft verkündigen.

Und das wünsche ich unserer Evangelischen Kirche zum 500sten Geburtstag: 500 verschiedene Wege, von Gottes Liebe zu erzählen, sie zu feiern, zu verstehen, zu singen und zu meditieren. Denn alle diese vielen und unterschiedlichen Wege hat Gott für uns bereitet. „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11,33)

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