Informationen
zum Hintergrund-
bild - bitte klicken
Sie hier.

Im Bild

Ev. Kirche Heeren-Werve Die Anfänge der denkmalgeschützten Dorfkirche liegen im 14. Jahrhundert. Besonders auffällig sind die „Heerener Giganten“, zwei Skulpturen im Seitenschiff, die der hiesige Künstler Dietrich Worbs aus wuchtigen Baumstämmen gestaltet hat („Familie in Gottes Hand“ sowie sieben biblische Szenen in einem Stamm). Von der bewegten Geschichte der Kirche erzählen u. a. die Totenschilder der Kirchenpatrone (bis 1950 Patronatskirche der Grafen von der Recke bzw. von Plettenberg), die Kopfkonsolen als Gewölbestützen sowie das bis heute einwandfrei funktionierende Uhrwerk der Kirchturmuhr von 1910. Sehenswert sind auch die Chorraumfenster mit Motiven aus der Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichten. Musikinteressierte mögen sich an der Walcker-Orgel erfreuen, die vom weltberühmten Organisten Wilhelm Middelschulte und seiner Familie 1910 gestiftet wurde.

Zurück zur Seite

Archiv

26. Mai 2010

Ein Stück vom Himmel in der Kirchennacht - überirdische Lichtmomente und das Brausen des Heiligen Geistes

In Unna-Königsborn, Paul-Gerhardt,  beginnt die Kirchennacht schon spätnachmittags mit XXL-Bratwürsten auf dem Kirchenvorplatz, und so mancher herzhaft Schmausende ist von der Sommersonne dieses Pfingstsonntags bereits so brutzelbraun wie die Würste. Unweit in Kamen hat die Superintendentin währenddessen  "das Brausen des heiligen Geistes" vernommen.  "Die Kamener sind  sonst eher traditionelle Musik gewöhnt", bemerkt  Annette Muhr-Nelson später in der Dorfkirche Bausenhagen. "Beim Gospelgottesdienst  mit der  Jugendkantorei  war aber auch mit sehr vielen Älteren die Pauluskirche voll! Und alle schnippten mit und wippten, da herrschte Stimmung wie beim Kirchentag!" Der heilige Geist sei brausend durch die Kirchenbänke gefahren, schmunzelt Muhr-Nelson. "Selbst kleine Kirchen wie  diese hier in Bausenhagen bieten ihr ganz eigenes Programm. Das ist einfach toll", schwärmt die Superintendentin. "Im Vergleich zu anderen Kirchenkreisen engagieren sich unsere Kirchengemeinden in einem ganz hohen Maße." Mehr ging tatsächlich kaum noch als zu dieser Pfingstnacht 2010, in 19 evangelischen und katholischen Gotteshäusern im gesamten Kirchenkreis gab es Veranstaltungen.
In Heeren präsentierte die Frauengruppe "Offene Kirche" um Dagmar Müller eine Vater-Unser-Ausstellung.  Das Vater unser auf  Japanisch, auf Kroatisch ("Oce has kogi jesi...")  - nebenbei erfuhr man, dass die Krawatte in Kroatien erfunden wurde, sehr praktisch. Das Vater unser in Gebärdensprache. Oder auf Platt - "U-se Va im Hi-emmel, De-in Nome mat hillig se-in" . In Lautschrift, damit´s jeder  nachsprechen kann. Daneben prangte der Kiepenkerl, kernig-rüstig mit der Kiepe auf dem Puckel. Die katholische Kirche St. Michael Bergkamen war "Feuer und Flamme" mit dem Tanz unter der Lichtorgel,  Dellwig tauchte Altar, Empore, Kanzel stilvoll in wechselndes Licht. In Kamen brauste der Geist des Gospels,  in Methler in der Margaretenkirche  herrschte Ruhe, Einkehr, Meditation, lief der Film zum Schluss "Das Beste kommt zum Schluss".  St. Agnes Bausenhagen ließ derweil die Installation "Engelslichter" wachsen und bot mit Klezmer "Schpil-she mir al Lidele in Jiddisch" einen besonderen Konzertgenuss. So gab es zwei Zugaben und frenetischen Applaus im Stehen. Die drei Gotteshäuser in Unna-Königsborn hatten ihre Angebote hintereinander gelegt. Ab 22 Uhr gab es nun in der Christuskirche ein gut besuchtes offenes Singen mit Singgemeinde und dem Gospelchor "Sunlight voices". "Es ist das erste Mal, dass beide Chöre zusammen auftreten," freute sich Pfarrerin Susanne Stock. Geistliche Lieder und volkstümliche Abendlieder konnten von allen mitgesungen werden. Dabei war auch ungewöhnliches möglich: Der Kanon "Herr, bleibe bei uns" und "Der Mond ist aufgegangen" erklangen gleichzeitig.
Eine musikalische Rarität gab es dann zum Ausklang: Marianne und Matthias Nagel konzertierten mit Orgel und Keyboard im Duett. Dabei entstand mit Bearbeitungen von neuen geistlichen Liedern, klassischen Orgelwerken und Pop-Standards eine entspannte Lounge-Atmosphäre im Dämmerlicht des Jugendstil-Sakralbaus. Und weiter zum nächsten Programm, Qual der Wahl, zum Glück spielte die Musik in der Stadtkirche bis kurz vor Mitternacht.  Presbyter Manuel Storkebaum hatte das Gotteshaus in gleißend buntes Licht getaucht, das Farbenspiel wechselte stets  mit den Musikstücken -  "Das muss ein Stück vom Himmel sein",  lautete das Motto. "Feuerteam"  mit Jugendkantorei und Instrumentalensemble,"Engelsturm" mit virtuosen Bläsern, die Kantorei mit  "Lux aeterna".  "Überirdisch schön!!", schwärmte Pfarrer Jörg-Uwe Pehle,"Lichtpunkte flimmerten wie ein Sternenhimmel über die Kirchenkuppel... das war grandios!" Für das Mitternachtsmahl in der Stadtkirche war für 240 Gäste festlich eingedeckt. Das Büffet "reicht aber locker für 400", war sich Pehle sicher. Das Nachtmahl hatte sich in dieser vierten Kirchennacht zum Zielpunkt für die Kirchennachtschwärmer entwickelt: Auch aus anderen Regionen des Kirchenkreises sammelte man sich hier zum Abschluss. "Die letzten Gäste sind in diesem Jahr erst um 3.30 Uhr gegangen," freute sich Pehle. Silvia Rinke/ Gudrun Mawick