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Die Christuskirche in Bergkamen-Rünthe wurde nach dem 2. Weltkrieg zunächst als Gemeindesaal gebaut, 1959 zur Kirche umgebaut und im gleichen Jahr als Lutherkirche eingeweiht. 2004 wurde die Lutherkirche umgebaut und grundlegend neugestaltet. Die räumliche Grundstruktur der ehemaligen Christuskirche (1989 abgerissen) wurde hierbei zugrunde gelegt. Augenfällig an dem Kirchraum ist der Verzicht auf ein klares vorne und hinten und damit die Betonung von Gemeinschaft und Kommunikation. Die Gemeinde versammelt sich um den in der Mitte stehenden Altar. Als die Ev. Kirchengemeinden Rünthe und Oberaden fusionierten, gab es in der neuen Gemeinde zwei Lutherkirchen, so wurde diese Kirche 2008 in Christuskirche umbenannt.

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Archiv

17. November 2006

Evangelische Frauen im Dritten Reich

Frauenhilfe stellt sich der eigenen NS-Vergangenheit  

KAMEN - Besinnliche Klezmer-Musik begrüßte jetzt die "Basis der Frauenhilfe" - die Leiterinnen und Vorstände sowie etliche Pfarrerinnen und Pfarrer - im festlich gedeckten Gemeindehaus am Schwesterngang in Kamen: der Bezirksverband der Frauenhilfen im Kirchenkreis Unna, blickte am 9. November im Rahmen eines Empfangs auf 100 Jahre "tätiger Nächstenliebe" des Landesverbandes zurück. Superintendentin Annette Muhr-Nelson und die verantwortliche Pfarrerin im westfälischen Landesverband, Angelika Weigt-Blätgen, wussten zu würdigen, was ihre Gemeinden den "zuverlässigen Frauen" zu verdanken haben. "Jubiläen sind zum Erinnern und Nachdenken da", machte die Superintendentin mit Verweis auf den wohl historischsten Tag" der deutschen Geschichte deutlich, das am 9. November 1938 Synagogen und jüdische Geschäfte brannten - der Auftakt für Gewalt und Unmenschlichkeit, die insbesondere den jüdischen Mitbürgern noch angetan wurde. Dass die Ev. Frauenhilfe Westfalen durchaus immer auch "im Spannungsfeld politischer Auseinandersetzungen" stand und steht, machte Unnas Bezirksverbandsvorsitzende Annemarie Hübbe deutlich: "Erinnerung ist nicht immer nur ganz glanzvoll", lenkte sie den Blick auf evangelische Frauen während der Nazi-Diktatur. Dazu referierte die Bochumer Historikerin und Theologin Dr. Beate von Miquel, die im Auftrag der evangelischen Frauenhilfe in Westfalen (Soest) soeben ihre Forschungsergebnisse in dem Buch"Evangelische Frauen im Dritten Reich" veröffentlicht hat. Überraschend für viele der Zuhörerinnen und Zuhörer, dass sich die zuvor sehr Kaisertreuen Frauenhilfen nach zwei Jahren Nazi-Diktatur mit einer "Soester Erklärung" auf die Seite der "Bekennenden Kirche" (Niemöller, Bonhoeffer) stellten. "Kirchlich" und "national", so glaubte man, könnten friedlich nebeneinander existieren. Die Betonung und Pflege der "Mutter-Rolle" in beiden Systemen schienen genügend gemeinsame Schnittmenge zu bieten. Auch Pfarrfrauen, so fand von Miquel heraus, engagierten sich bei der NS-Frauenschaft, der auch die westfälische Frauenhilfsvorsitzende, Gräfin Ehrengard Plettenberg-Heeren, 1935 beitrat. Einige lokale Frauenhilfen wandten sich noch radikaler der Nazi-Bewegung zu und spalteten einen "deutsch-christlichen Frauendienst" ab. Unter gewissen Härten wie dem Verbot der Nutzung öffentlicher Lokale als Versammlungsstätten oder des Ausschanks von Kaffee (man schaltete listigerweise auf Kakao in den Nachmittagsversammlungen um), konnten die evangelischen Frauenhilfen ihre Existenz dennoch bis Kriegsende fortsetzen. Die zunehmend kirchenfeindliche Propaganda der Nazis, so Referentin Beate von Miquel, ließ allerdings die Mitgliederzahlen zurückgehen. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, von den Nazis zynisch als „Reichskristallnacht" verharmlost, hat freilich keine christliche Organisation zur Verteidigung der jüdischen Mitbürger aufrufen lassen, auch nicht die Frauenhilfen. Wie sie denn bis 1945 es nicht vermochten, was Präses Alfred Buß selbstkritisch in seinem Vorwort zu dem Buch hervorhebt, jenseits organisatorischer Auseinandersetzungen eine klare Position zu den ungeheuren Rasse-Vergehen der Nazis und derer generellen Missachtung von Menschenrechten zu entwickeln.  T.Nisipeanu