18.09.2026

Kirche und das liebe Geld

Referent Thomas Begrich erläuterte die Zusammenhänge zwischen Kirche, Geld und der Welt.
Referent Thomas Begrich erläuterte die Zusammenhänge zwischen Kirche, Geld und der Welt.

Vortrag von Oberkirchenrat i.R. Thomas Begrich.

Über die Kirche, Geld und diese Welt referierte jetzt der ehemalige Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thomas Begrich. Er erläuterte die finanzwirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen den drei Begriffen „Kirche – Geld – Welt“ und ging auch auf deren Folgen ein. Ganz wichtig für Begrich: Kirche lebe von unten, von den Menschen. Unter Religion verstehe er „die ganze Frömmigkeit der Christen, nämlich Glauben und Lebensweise, und nicht nur gottesdienstliche Ordnung und Sakramente“, wie es schon der Schweizer Theologe Huldrych Zwingli beschrieb.

Zur Veranstaltung im Haus der Kirche hatte der Evangelische Kirchenkreis Unna zusammen mit dem Rotary Club Unna/Westfalen eingeladen. Initiiert von Altpräses der EKvW, Alfred Buß, und dem Altbürgermeister Werner Kolter begrüßte die Runde viele Presbyter und Kirchmeister aus den Gemeinden, Unternehmer, Rotary- und Lions-Mitglieder, interessierte Bürger und Kirchenkreis-Mitarbeitende. Auch die Altpräses der EKvW, Annette Kurschus, war gekommen. Sie alle lauschten den Worten von Thomas Begrich, der zunächst erklärte, wo die Gelder für die kirchliche Arbeit in der EKD herkommen, wie sie verteilt und für welche Zwecke sie eingesetzt werden. Die wichtigste und größte Einnahmequelle für die insgesamt 20 Ev. Landeskirchen mit rund 13.500 Gemeinden, 250.000 Mitarbeitenden (darunter 10.500 Pfarrer*innen) und etwa 20.300 Kirchen sei die Kirchensteuer mit rund 6 Milliarden Euro. Die zweite Hälfte komme aus eigenen Erträgen, Fördermitteln und sonstigen Einnahmen. Ausgegeben werde das Geld vorwiegend für die Seelsorge, die Gemeindearbeit, Gebäude, die Verwaltung, Bildung und Ökumene. Der größte Posten werde zudem für Kindertageseinrichtungen eingesetzt. 

Thomas Begrich machte auch deutlich, dass die Einnahme der Kirchensteuer bezahlt werden. Je nach Bundesland behält die Finanzbehörde zwei bis vier Prozent der Kirchensteuer ein. „Das ist also eine Finanzhilfe der Kirche an den Staat“, hieß es dazu aus dem Publikum. Eingeführt wurde die Kirchensteuer übrigens mit der Trennung von Kirche und Staat ab Mitte des 19. Jahrhunderts, um die finanzielle Unabhängigkeit der Kirchen nach dem Subsidiaritätsprinzip zu sichern, d.h. in Eigenverantwortung zu übergeben. So sei die Kirche Teil der Gesellschaft, die sich aktiv einbringe und sie verantwortlich mitgestalte. Am Beispiel von Kindertageseinrichtung sei dies gut sichtbar, denn nur ein Drittel der Kitas werde in Deutschland von Kommunen betrieben. Hier übernehmen u.a. die Kirchen eine große gesellschaftliche Aufgabe. Diese Kultur von Gemeinwohlbereitschaft und hohem Engagement im Ehrenamt präge die gesamte Gesellschaft. 

Diese Gesellschaft mit den familiären Strukturen werde allerdings zunehmend aufgebrochen, blickt Thomas Begrich auf die aktuelle politische Situation und die Wahlen in Ostdeutschland. So seien die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Ostdeutschland wesentlich geringen (zwischen 12% und 23 % je Bundesland) als in Westdeutschland (33-55 %). Das habe natürlich mit der Geschichte zu tun, denn die DDR habe die Kirchen unterdrückt und eine Entkirchlichung vorangetrieben.
Damit gehe jedoch das Gefühl für das Gemeinwohl verloren, warnt Begrich. Man denke zunehmend nur an sich und weniger an seine Mitmenschen. So sieht er auch einen Zusammenhang zwischen einer Entkirchlichung und den aktuellen Wahlergebnissen.

(sd)