10.12.2025

Partnerkirche in unruhigen Zeiten 

Ein riesiges Plakat an einem Straßenrand zeigt eine Frau mit Kopftuch und Brille und der aufschirift
Wahlwerbung im Oktober: auf den Straßen waren nur die riesigen Plakate der amtierenden Präsidentin zu sehen. Die Opposition war chancenlos, die Bürger Tansanias frustriert.

Mitte Oktober war eine Delegation aus unserem Kirchenkreis zu Besuch bei der Partnerkirche in Tansania. Wenige Tage nach der Rückreise veränderte sich das Land von Grund auf. Rund um die Präsidentschaftswahlen entbrannten Proteste und Gewalt. 

Am 29. Oktober stand in Tansania die Präsidentschaftswahl an. Präsidentin Samia Suluhu Hassan stand zur Wiederwahl – and die Macht gekommen war sie drei Jahre zuvor als Nachfolgerin des verstorbenen Präsidenten John Magafuli. Die Sorge rund um diese Wahlen waren groß, schon vorher wurden Gegenkandidaten weggesperrt und andere Parteien nicht zugelassen. „Das Stadtbild war total geprägt von den riesigen Wahlplakaten. Sie alle zeigten nur Präsidentin Samia“, schildert Dietrich Schneider, Vorsitzender des Tansania-Arbeitskreises im Kirchenkreis Unna, seine Eindrücke von dem Besuch in Dar es Salaam.
Am Wahltag dann entlud sich der Frust über die faktisch nicht stattfindende Wahl. Insbesondere junge Leute gingen auf die Straßen und demonstrierten vor Wahllokalen und Polizeistationen. Mit großer Härte, insbesondere von der Polizei wurden die Proteste zerschlagen. Von tausenden von Toten ist die Rede, viele wurden verschleppt. Vier Tage war das Land im Lock-Down: kein Internet, teilweise ohne Strom, kein öffentliches Leben. So kamen auch Informationen nur spärlich nach außen. In der Weltöffentlichkeit wurde der Konflikt nur gering beachtet. 

Kontaktsperre und Reisebehinderung

In den Partnergemeinde hier in Unna machten sich auch die Sorgen breit: warum hören wir nichts von unseren Partnern, von den Familien, die wir erst vor drei Tagen verlassen haben? Nur ganz wenige kurze Nachrichten erreichten die Gruppe: Wir sind sicher, aber es ist eine schlimme Situation. So oder ähnlich kam die ein oder andere Nachricht durch. Und auch schlimme Berichte von der Gewalt auf den Straßen.
Ebenso war der Kontakt zu Superintendent Karsten Schneider und seiner Frau Dörte Humbert-Schneider abgebrochen. Beide hatten an den offiziellen Teil der Reise ein paar Tage Urlaub auf Sansibar angehangen. Von dort war aber nun ein Rückweg aufs tansanische Festland ausgeschlossen. Erst fünf Tage später war ein anderer Flug gefunden und eine Ausreise möglich.

Ungewisse Zukunft für Land und Partnerschaft

„Die Lage in Tansania macht uns Sorgen. Die Menschen gehen auf die Straße und kämpfen für ihre Rechte. Dabei müssen sie damit rechnen, Opfer von Gewalt zu werden.“ Es gibt zurzeit keine Hinweise auf ein Einlenken der Regierung, im Gegenteil: die Präsidentin besetzt hochrangige Ämter mit Familienmitgliedern und droht offen jedem Demonstranten. „Das ist eine Frage von Menschenrechten. Die werden hier massiv verletzt. “ sagt Pfarrerin Elisabeth Silayo in einer Videokonferenz mit dem Tansania-Arbeitskreis des Kirchenkreises. Sie kommt aus Tansania und arbeitet jetzt in Wuppertal bei der Vereinten Evangelischen Mission. „Wir können an einer Stelle keine Kompromisse machen: da wo es um die Anwaltschaft für die Opfer geht.“ 

Die Sorge gilt weiterhin besonders den Demonstrierenden, aber auch den Familien, die Opfer beklagen. Und nicht zuletzt dem ganzen Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1964 eines der stabilsten Länder Afrikas war. Die Einflüsse auf die Partnerschaftsarbeit, insbesondere bei Besuchen, ist noch nicht abzusehen, ist Dietrich Schneider besorgt: „Wir wollen im nächsten Jahr gemeinsam mit einem Chor aus Unna und einem aus Dar es Salaam am Gospelkirchentag in Stuttgart teilnehmen. Hoffentlich gelingt das.“ 
 

(ds)