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Im Bild

Paul-Gerhardt-Kirche Bereits im Jahr 1964 war der Wunsch nach einer eigenen Kirche groß, ein Kirchbauverein sammelte fleißig und in der ersten Sitzung des Presbyteriums dieser Gemeinde wird beschlossen, eine eigene Kirche zu bauen: Im Herbst 1968 kamen die ersten Bagger, am 26.4.1970 wurde Kirchweihfest gefeiert. Die Kirche wurde auch als Garnisonskirche für die nahe liegende Glück-auf-Kaserne erbaut. Im Kirchenraum fällt zuerst der komplett aus Sandstein gefertigte Innenraum auf. Der Architekt Werner Johannsen hat einen quadratischen Grundriss gewählt. Eingangsportal, Kreuz, Altar und Taufbecken wurden von dem Bildhauer Heinz Heiber aus Nürnberg gestaltet. Besonderer Blickfang ist hier das Kreuz, dass mit 4 Metern Höhe zentraler Ort in Chorraum ist. Beleuchtet wird die Kirche durch die Kirchenfenster vom Bremer Glasmaler Heinz Lilienthal. In jede Himmelsrichtung ist ein großes Fenster vom Boden bis zum Dach, so dass zu jeder Tageszeit Sonnenlicht in bunten Farben in die Kirche fällt.

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Archiv

15. Februar 2015

Bildandacht: Das störende Kreuz

Wenn man das Martin-Luther-Zentrum in Bergkamen-Oberaden betritt, so beherrscht dieses Bild das Eingangsforum. Es wurde ca. 1960 angefertigt als Glasfenster über dem Altar des neu errichteten Dietrich-Bonhoeffer-Hauses, auf das die gottesdienstlich versammelte Gemeinde während des Gottesdienstes schaute. Mit dem Abriss des Bonhoefferhauses stand die Kirchengemeinde vor der Frage, wie sie mit dem Bild umgehen sollte. Eine Wand zum Einbauen fand sich nicht, so wurde das Glasfenster in einen Holzrahmen eingebaut mit einer Beleuchtung von hinten und im Lutherzentrum integriert.

Eine Begegnung

Das Bild eines nicht mehr bekannten Künstlers macht irgendwie den Eindruck naiver Kunst und enthält gleichzeitig Elemente  klassischer Formen- und Farbensprache. Vor einer rot gekleideten Gestalt kniet eine andere in brauner Kleidung. Die Szene lässt an manche Begegnungen denken, die von Jesus überliefert sind: Jairus fällt vor Jesus nieder und bittet für seine todkranke Tochter, (Mt. 9,18),  der reiche Jüngling kniet vor Jesus (Mk. 10,17), oder ein Aussätziger (Mk. 1,40), die Mutter von Johannes und Jakobus (Mt 20,20), die von Blutfluss geheilte Frau (Mk. 5,33) oder die Jünger selber (Mt 14,33; Mt 28,9). Vielleicht hat der unbekannte Künstler z.B. bei Rembrandt Anleihen gemacht, der so - auch mit der gleichen Farbwahl - die Rückkehr des verlorenen Sohnes darstellt, obwohl im Bibeltext nichts von einem Niederknien des Sohnes erwähnt wird (Lk. 15,20).

Es fällt auf, dass die Jesusgestalt auf dem Glasfenster der knienden Gestalt unter die Arme greift und im Begriff ist, sie aufzurichten. Im nächsten Augenblick werden sie sich auf Augenhöhe begegnen. Was auch immer die kniende Gestalt belastet hat, sie kann sich der liebenden Zuwendung von Jesus sicher sein. Vielleicht folgt ja, was in dem oben erwähnten Gleichnis erwähnt wird: "Er fällt ihm um den Hals und küsst ihn"

Die Farbensprache

Mich persönlich hat immer die Farbensprache des Bildes beeindruckt. Das rote Gewand von Jesus betont die Liebe, mit der er den Menschen begegnet. Die kniende Gestalt ist einer wie wir, braun gekleidet in der Farbe der Erde, nichts Hohes, sondern ganz kreatürlich, ein Adam eben, der aus der Erde erschaffen worden ist (1. Mose 2,7), dessen Leben nach dem Sündenfall von wie immer gearteter Mühe geprägt ist. (1. Mose 3)

Der Hintergrund des Bildes ist violett gehalten, bis auf eine große Sonne, die einem Heiligenschein ähnelt, aber als solcher leicht "verrutscht" ist, denn der Kopf von Jesus überragt diese Sonne, in die er den Knienden zieht. Vom Kirchejahr kennen wir das violett als Farbe der Umkehr und Buße. Diese Bild will also zur Umkehr ermutigen und unterstreicht die Verheißung, die der Umkehr gegeben ist.  "Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!" (Mt. 3,2). Die kniende Gestalt hat in den Augenblick, als sie sich an Jesus wandte das Licht der Sonne berührt und sie wird sozusagen von Jesus weiter in das Licht hineingezogen, in das Himmelreich.

Das gelb der Sonne ist nicht eigentlich gelb, sondern golden, mangels einer geeigneteren Möglichkeit der Darstellung. Gold steht für das Unvergängliche, für die Ewigkeit, es nimmt die christliche Eschatologie mit in die Darstellung und unterstreicht das Bekenntnis der Gemeinde "Ich glaube an das ewige Leben."

Das Kreuz stört

Dieses "schöne" Bild wird jedoch empfindlich gestört durch ein großes Kreuz, hinter dem sich die ganze Szene abspielt. Hinter diesem Kreuz verblassen alle Farben, selbst das leuchtende ewige Gold. Auch das Licht der Sonne kann dieses Kreuz nicht erhellen. Es bleibt farblos grau.

Das Kreuz kann ästhetisch nichts anderes bewirken als zu stören, aber ohne das Kreuz ist nichts zu haben, von dem was das Bild aussagt. Es bleibt in diesem Bild ein großes Ärgernis und stellt die Betrachtenden vor die Frage, wie sie sich zu dem Kreuz verhalten. Müssen sie sich daran ärgern oder können sie darin die Kraft Gottes für ihr Leben erfahren. (1. Kor 1,18).

Reinhard Chudaska
Pfarrer der Ev. Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen

 

Andachtsreihe zum Jahresthema "Gottes Wort. Bild. Bibel" mit Andachten zu Kunstwerken im Kirchenkreis hier