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Der Glockenturm der Thomaskirche in Bergkamen wurde 2012 erbaut. Durch die Fassade hindurch sind die Kirchturmglocken zu sehen. Die Kirche selbst steht im Stadtteil Overberge und gehört zur Ev. Friedenskirchengemeinde Bergkamen.

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01. Dezember 2014

Andacht Dezember

Foto: Hauptmann Thorsten Roche

 

Und der Engel sprach zu den Hirten auf dem Felde:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lk 2,10-12)

 

Ein Kind in der Krippe! Das ist das himmlische Zeichen!
Das Jesuskind in einer Krippe flankiert durch die Eltern Maria und Joseph. Und über dem Neugeborenen der Engel, der das kleine Menschenkind behütet. So sehen wir die Weihnachtsgeschichte häufig in unzähligen Gemälden und Darstellungen. Nichts Besonderes. Ein Kind in der Krippe! Das ist das himmlische Zeichen!

Aber gilt dies auch für eine Krippe vor einem Panzer? Eine „militärische“ Weihnachtsszene. Im Hintergrund weder der Stall noch Ochs und Esel, auch keine Hirten auf dem Felde mit Schafen im Gefolge, sondern: ein Bergepanzer.

„Eine unmögliche, ja skandalöse Darstellung!“, werden manche Kritiker auf den ersten Blick sagen. Und sie haben Recht mit ihrer Äußerung.

Das Motiv ist skandalös. Warum muss der große Gott nur in einer armseligen Krippe liegen? Warum werden immer noch Kinder in armselige Verhältnisse geboren und haben manchmal weit weniger als so eine Krippe?

Dieses Motiv ist unmöglich wie dieses Kind, denn es macht Unmögliches möglich. Es kann den Lauf der Zeit unterbrechen, die Welt still stehen lassen und die Kräfte der Welt außer Kraft setzen. Es kann sogar Waffen schweigen lassen und aus Feinden Freunde machen.

Heiligabend 1914 irgendwo im Niemandsland:
An der Westfront geht nichts mehr. Deutsche und vor allem Briten liegen sich gegenüber. Erstarrt im Stellungskrieg. Manchmal nur 50 Meter voneinander entfernt.

Es ist Heiligabend im Schützengraben als die verfeindeten Soldaten plötzlich Kerzen anzünden und gemeinsam „Stille Nacht“ und „Holy Night“ singen. "English soldier, a merry Christmas for you“. „Frohe Weihnacht euch allen!“ Ertönen die Rufe. “We not shoot, you not shoot!”“Wir schießen nicht, ihr schießt nicht!” Hallt es erst vereinzelt, dann hundertfach!

"Was für ein Tag", schildert ein britischer Gefreiter. "Wir trinken von ihrem Schnaps, von unserem Rum. Wir essen gemeinsam, zeigen uns Fotos unserer Familien, singen und lachen viel. Von irgendwo taucht ein Fußball auf, und wir beginnen zu kicken, zwischen den Schützengräben, mit Mützen als Toren.“

Das war Befehlsverweigerung. Ja, Hochverrat! Doch die tiefe Sehnsucht der Menschen nach Geschwisterlichkeit und Friede war größer.

In der Dämmerung, als der Himmel grau und rosa wurde, da sahen sich die Feinde zum ersten Mal. Unbekümmert bewegten sich die deutschen Soldaten außerhalb ihrer Schützengräben. Es wäre geradezu eine Einladung an die Briten gewesen, abzudrücken. Aber sie schossen nicht. Sie riefen Segenswünsche herüber zu den Männern, mit denen sie wenige Stunden zuvor noch gekämpft hatten um Leben und Tod.

Und es fiel kein Schuß in dieser Heiligen Nacht!

Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Ein Kind in der Krippe. Das ist das himmlische Zeichen!

Aber gilt dies auch für eine Krippe vor einem Panzer? Ist dieses Foto Kunst oder kann es weg? Ist das Provokation, geschmacklos oder gar Gotteslästerung? Oder der allerbeste Ort für die Weihnachtskrippe?

Die deutschen und britischen Soldaten im Niemandsland haben am Heiligabend 1914 Weihnachten nicht einfach nur miteinander gefeiert, unter ihnen hat sich etwas ereignet, was einmalig ist und als „Christmas Truce“ oder „Weihnachtsfriede von 1914“ in die Geschichte einging. Denn unter verfeindeten Soldaten hat sich plötzlich die biblische Verheißung des Engels von vor mehr als 2000 Jahren erfüllt - zumindest für eine Nacht lang:

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lk 2,13f)

Susanne Schart, Militärpfarrerin