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Ev. Kirche Heeren-Werve Die Anfänge der denkmalgeschützten Dorfkirche liegen im 14. Jahrhundert. Besonders auffällig sind die „Heerener Giganten“, zwei Skulpturen im Seitenschiff, die der hiesige Künstler Dietrich Worbs aus wuchtigen Baumstämmen gestaltet hat („Familie in Gottes Hand“ sowie sieben biblische Szenen in einem Stamm). Von der bewegten Geschichte der Kirche erzählen u. a. die Totenschilder der Kirchenpatrone (bis 1950 Patronatskirche der Grafen von der Recke bzw. von Plettenberg), die Kopfkonsolen als Gewölbestützen sowie das bis heute einwandfrei funktionierende Uhrwerk der Kirchturmuhr von 1910. Sehenswert sind auch die Chorraumfenster mit Motiven aus der Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichten. Musikinteressierte mögen sich an der Walcker-Orgel erfreuen, die vom weltberühmten Organisten Wilhelm Middelschulte und seiner Familie 1910 gestiftet wurde.

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Archiv

30. November 2010

Die vergessene Generation

Frauensalon: Kriegserfahrungen beeinflussen gesamtes Leben UNNA-KÖNIGSBORN.  "Ausgebombt. Wir landeten in unserer Wochenendhütte. Ich wusste überhaupt nicht, was passiert. Unsere Mutter konnte nicht reden oder irgend etwas erklären - und wir nahmen es einfach so hin."  Dita Ostermann-Schur, Jahrgang 41, erzählt von eigenen Kriegserfahrungen. An diesem Abend im Frauensalon in Unna reden noch andere Frauen davon, was sie als Kinder erlebt haben und wie diese Erlebnisse ihr gesamtes leben beeinflusst haben. Anlass war das Buch "Die vergessene Generation" von Sabine Bode. Die Therapeutin und Supervisorin Dita Ostermann-Schur stellte gemeinsam mit Anne-Katrin Schlegel das Buch vor. Während Anne-Katrin Schlegel immer wieder einzelnen Passagen aus dem Buch vorlas, brachte Frau Ostermann-Schur auch eigene Erlebnisse mit ein. Dadurch regte sie die gut 30 Frauen im Kaminraum der Paul-Gerhardt-Gemeinde an, über sich selbst nachzudenken und zu reden. Sabine Bode hat mit ihrem Buch vor einigen Jahren großen Erfolg gehabt. Zwar hatten schon vorher manche Autorinnen und Autoren das Thema bearbeitet, wie diejenigen, die als Kinder den Krieg erlebt haben. Aber diesmal stieß das Thema auf große Resonanz. Die Menschen der Jahrgänge 1930 bis 1945, so Bodes Erkenntnis, haben als Kinder oft traumatische Erfahrungen gemacht. Allerdings wusste man noch nichts von Traumaforschung oder -behandlung. Die Kinder wurden oft allein gelassen. Auch die Eltern konnten ihnen nicht helfen, weil sie selbst schwer traumatisiert und belastet waren. Mancher Vater kam mehrere Jahre nach dem Krieg aus der Kriegsgefangenschaft völlig verändert nach Hause. Die Mütter hatten selbst Hunger, Wohnungsnot, Gewalt und Vergewaltigung, oft genug Flucht erlebt. So lernten die Kinder, dies alles irgendwie "wegzustecken". Sie wuchsen heran, machten Deutschland als tüchtige Erwachsene zum Wirtschaftswunderland. Dabei wurde völlig aus dem Blick gelassen, was der Krieg mit diesen 1- oder 5- oder 14jährigen gemacht hat. Heute wird manchen Männern und Frauen bewusst, woher ihre Probleme kommen. Oft genug suchten sich die nicht verarbeiteten Kriegserlebnisse ihren Weg in körperliche Beschwerden - oder die Menschen bildeten irgendwelche Sonderlichkeiten aus. So erzählte eine Frau im Salon, dass ihre Töchter sich bis heute weigern, sie zu wecken - weil sie dann immer so laut schreit. Im Übergang von Schlaf zum Wachsein kann sie heute noch nicht - mehr als 60 Jahre später - nicht vergessen, wie sie im Krieg immer wieder aus dem Schlaf gerissen wurde und in den Luftschutzkeller musste. Der Abend im Kaminraum gab viel Raum für die eigenen Erinnerungen und Erlebnisse. Die Pianistin Rabjana Ehrenstein rahmte den Abend mit einfühlsamen Klavierstücken. n Der nächste Frauensalon in Unna-Königsborn findet am Dienstag, dem 7. Dezember statt. Dann wird Ursula Kurze die deutsche Lyrikerin Else Lasker-Schüler vorstellen. Unter dem Titel "Mein blaues Klavier" stehen deren Texte, die teilweise vertont und vorgetragen werden, im Mittelpunkt des Abends.  Elke Markmann