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Paul-Gerhardt-Kirche Bereits im Jahr 1964 war der Wunsch nach einer eigenen Kirche groß, ein Kirchbauverein sammelte fleißig und in der ersten Sitzung des Presbyteriums dieser Gemeinde wird beschlossen, eine eigene Kirche zu bauen: Im Herbst 1968 kamen die ersten Bagger, am 26.4.1970 wurde Kirchweihfest gefeiert. Die Kirche wurde auch als Garnisonskirche für die nahe liegende Glück-auf-Kaserne erbaut. Im Kirchenraum fällt zuerst der komplett aus Sandstein gefertigte Innenraum auf. Der Architekt Werner Johannsen hat einen quadratischen Grundriss gewählt. Eingangsportal, Kreuz, Altar und Taufbecken wurden von dem Bildhauer Heinz Heiber aus Nürnberg gestaltet. Besonderer Blickfang ist hier das Kreuz, dass mit 4 Metern Höhe zentraler Ort in Chorraum ist. Beleuchtet wird die Kirche durch die Kirchenfenster vom Bremer Glasmaler Heinz Lilienthal. In jede Himmelsrichtung ist ein großes Fenster vom Boden bis zum Dach, so dass zu jeder Tageszeit Sonnenlicht in bunten Farben in die Kirche fällt.

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Archiv

27. April 2010

Köchin wurde einst als Hexe verbrannt

Hartmut Hegeler berichtet über den "Fall Elsa" aus dem Jahr 1565   UNNA. 300 Jahre lang ließen die Kirchen angebliche "Hexen" verfolgen - Zehntausende fanden in Mitteleuropa unschuldig den Flammentod. Übrigens nicht im Mittelalter mit seiner "Inquisition", sondern zwischen 1500 und 1800 - und auch in evangelischen Landen. Luther wie Calvin folgten dem Vers aus 2. Mose 18: "Die Zauberinnen sollst Du nicht leben lassen." Tatsächlich, so erläuterte Berufsschulpfarrer a.D. Hartmut Hegeler im Unnaer Nicolai-Haus, ist die Bibelübersetzung mit der weiblichen Form unkorrekt, so dass in katholischen Landen der Anteil der männlichen Hexenopfer beträchtlich war; im benachbarten Menden etwa 40 Prozent, in Österreich das Doppelte. Unna selbst blieb, so weit Hegelers Forschungen, von Hexenprozessen verschont, weil die märkische Obrigkeit sich dem widersetzte. Doch schon aus Kamen ist der Fall der Köchin Elsa dokumentiert, die mitsamt ihrer Mutter 1565 verbrannt wurde. Im Hammer Nonnen-Kloster Kentrop konstatierte man damals "seltsame Zuckungen; Nonnen krümmten und wandten sich, und ein stinkender Atem kam ihnen aus dem Hals." Ein hinzugezogener Wahrsager lokalisierte die Ursache für das "dämonische Einwirken" in der Küche der Anstalt. Sündenbock war Köchin Elsa. Nach ihrer Hinrichtung verließen die epileptischen Anfälle jedoch keineswegs die Klosterbewohnerinnen. Insbesondere durch das Sauerland bis ins Lippische zog sich eine Blutspur der Verfolgung. Ein volles Prozent der Bevölkerung verlor wegen "Teufelsbuhlschaft" oder "Schadenzauber" nach schlimmen Folterungen ihr Leben. In Oberkirchen bei Winterberg wurden 1630 in drei Monaten nicht weniger als 58 Menschen aus dem Leben befördert. Hegeler macht auf Hintergründe aufmerksam, die bisher wenig beachtet wurden: in jenen Jahrzehnten herrschte eine "kleine Eiszeit", die 1629 im Sommer Ost- und Bodensee zugefroren beließen. Entsprechend der Ernteausfall und die Hungersnöte, für die Sündenböcke zu finden waren; im Fall von Frankfurt lenkte man die Hatz freilich auf die Juden der Stadt. Nebenan in Gelnhausen, wo das Unwesen noch nicht eingekehrt war, zogen empörte Bürger vor das Rathaus: "Warum wird in ganz Deutschland das 'Hexengeschmeis' verfolgt - nur nicht in unserer Stadt?" Kirchlich half man nach mit Thesen wie: "Das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen ist aus den Fugen geraten" - zur Versöhnung mit Gott - da waren die sonst streitenden christlichen Konfessionen einig - müsse die Teufels-Fraktion ("der altböse Feind" aus dem damals geschriebenen Kirchenlied) ausgerottet werden. Aus Kamen kommt freilich auch ein großer Lichtblick: der in Lippstadt geborene Pfarrer Anton Praetorius, der um 1600 den Mut fand, sich den "unbiblischen" Denunziationen und Folterungen zu widersetzen. Hegeler hat zu diesem protestantischen Pendant des bekannteren Jesuitenpaters von Spee eine Biographie herausgebracht. Freilich habe bis heute nur die evangelische Landeskirche von Bayern es fertig gebracht, den vielen Unschuldigen posthum Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die westfälische Landeskirche tue sich da ebenso schwer wie die katholischen Bistümer. Auf dem Münchener Ökumenischen Kirchentag wird ein eigener Gottesdienst erstmalig diesen gemeinsamen Schandfleck bearbeiten. Wer nicht nach München fährt, sollte sich hierzulande nicht die Gelegenheit entgehen lassen, mit seinem Männerkreis, Frauenhilfe oder Jugendclub die mit Medien-Unterstützung so plastisch gelungene Einführung Hegelers ins Thema zu erleben (02303/53051). "Zivilcourage" sei auch heute ein selten verwirklichtes Gut; Mobbing, Jagd auf Sündenböcke, Folter seien keineswegs überwunden. Diskussionsleiter Klaus Thorwarth vom SGV Unna erinnerte an jene sich christlich nennenden Sekten in den USA, die den eigenen Präsidenten Obama des Teufelspaktes bezichtigten. Ulrich Knies