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Ev. Kirche Heeren-Werve Die Anfänge der denkmalgeschützten Dorfkirche liegen im 14. Jahrhundert. Besonders auffällig sind die „Heerener Giganten“, zwei Skulpturen im Seitenschiff, die der hiesige Künstler Dietrich Worbs aus wuchtigen Baumstämmen gestaltet hat („Familie in Gottes Hand“ sowie sieben biblische Szenen in einem Stamm). Von der bewegten Geschichte der Kirche erzählen u. a. die Totenschilder der Kirchenpatrone (bis 1950 Patronatskirche der Grafen von der Recke bzw. von Plettenberg), die Kopfkonsolen als Gewölbestützen sowie das bis heute einwandfrei funktionierende Uhrwerk der Kirchturmuhr von 1910. Sehenswert sind auch die Chorraumfenster mit Motiven aus der Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichten. Musikinteressierte mögen sich an der Walcker-Orgel erfreuen, die vom weltberühmten Organisten Wilhelm Middelschulte und seiner Familie 1910 gestiftet wurde.

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Archiv

28. September 2007

Erster jüdischer Gottesdienst seit 1938 im Kreis Unna

Shabbat-Feier nach fast 70 Jahren   UNNA -  Ihre Synagoge ist auch in Unna im November 1938 gebrandschatzt worden. Wenige Jahre später galt die Stadt als "judenfrei": auch die letzten Bewohner des in der Stadt ansässigen "Israelitischen Altenheim" von Westfalen waren deportiert. Fast 70 Jahr danach erlebte die Hellwegregion dieser Tage wieder eine Shabbat-Feier. Zwar steht die Synagoge noch nicht wieder, doch springen christliche Nachbarn ein: im Gemeindesaal der katholischen Katharinenkirche stimmte Vorbeter Didij Junal Podszus, im Zivilberuf ehedem Opernsänger in Dortmund, mit Tallit (Gebetsschal) und Kippa (Kopfbedeckung) den großen Moment an. Unter den Gästen, die das Siddur (Gebetsbuch in hebräischer, deutscher und russischer Sprache) in Händen halten, befindet sich auch Jürgen Düsberg, pensionierter und weiterhin rühriger evangelischer Stadtpastor: "Ein historischer Moment für Stadt und Region". Düsberg gehört zu jenen Protestanten, die mit Superintendentin Annette Muhr-Nelson in den letzten Jahren die Vorarbeiten zum Wiederaufbau einer eigenen jüdischen Gemeinde befördert haben. Im jüdischen Kulturverein "STERN" trifft sich um die gebürtige Ukrainerin Alexandra Khariakova, Mitglied im Unnaer Integrationsrat, schon länger eine Hundertschaft Interessierter zum sozialen und religiösen Austausch. Khariakova war immer wieder Gast in evangelischen Gemeindegruppen; Spenden von Fröndenberger Protestanten ermöglichten jetzt die Anschaffung von Leuchtern und anderem Kultgerät für die erste Shabbat-Feier. Und als die evangelische Frauenhilfe Westfalens im letzten Jahr in der Dortmunder Westfalenhalle ihr Hundertjähriges beging, wurde die "STERN"-Initiative eigens eingeladen. Ins benachbarte Dortmund führte die Juden aus der Unnaer Region bislang auch der Weg zur dortigen Synagogengemeinde. Nicht nur wegen der Anfahrtsumstände geben sie diese Reisen jetzt gern auf. Der orthodoxe Kurs der dortigen Gemeinde behagt den STERN-Leuten nicht, so dass sie sich schon wegen der guten Erfahrungen mit anderen Unnaer Glaubensgemeinschaften für die liberale Variante entschieden. Jürgen Düsberg: "Das kommt meinem protestantischen Gemeindverständnis sehr nahe." Der Verantwortung für Frieden in der Gegenwart, so Alexandra Khariakova, trage man dadurch Rechnung, dass im Gebet auf die Bitte um Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem verzichtet werde. Kantor Podszus schätzt zudem die Bedeutung, die liberale Juden der Musik zumessen: solange keine Orgel zu benutzen ist, behilft er sich mit der Gitarre. Das wird wieder der Fall sein, wenn das jüdische Neujahrsfest für das Jahr 5768 ansteht, und dann noch mehr fünf Tage später beim Anbruch des Jom-Kippur-Fastentags. Eine besondere Herausforderung für die junge Gemeinde am Hellweg stellt zudem die nahe "Landesstelle Unna-Massen" dar. Während die Aufnahme von Zuwanderern auch in NRW zuletzt stark rückläufig war, wird der Zustrom jüdischer Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion, bis 2005 als "Kontingentflüchtlinge" bekannt und von der Caritas mitbetreut, in Folge der neuen Ausländergesetzgebung in Bälde kräftig ansteigen. Alexandra Khariakova geht auch dieser neuen Aufgabe mit großer Zuversicht entgegen. Helge Hohmann, evangelischer Zuwanderer-Pfarrer in der Landesstelle, signalisierte inzwischen, nach seinen Möglichkeiten kooperieren zu wollen. U. Knies