Mo-Ki-We Konzept
Situation
Erziehung ist meist weiblich. Väter sind durch ihre berufliche Einbindung aber auch durch die gesellschaftliche Rollenverteilung, die Frauen eher die Erziehungskompetenz zuschreibt, weniger im Kontakt mit ihren Kindern als es die Mütter sind. Mädchen haben im Verlauf ihrer Sozialisation also oft die Möglichkeit, Frauen als Vorbilder auf ihrem Weg zum Frau-Sein zu erleben. Jungen wachsen ebenso in weiblich bestimmten Lebensräumen auf. Sie merken aber mit 3-4 Jahren, dass die Mutter nicht ihr Vorbild sein kann. Ihnen fehlen die Männer im unmittelbaren Erfahrungsraum als Vorbilder weitgehend. In Trennungsfamilien ist die Vater-Erfahrung sogar meist auf die Wochenenden beschränkt und zudem oft durch den Trennungsprozess psychisch belastet.
Mädchen fehlt hingegen das gegengeschlechtliche Gegenüber des Vaters. Sie lernen von Vätern andere Dinge als von ihren Müttern. Auch bei ihnen gibt es oft ein großes Bedürfnis nach Kontakt mit dem Vater.
Dies kann als ?Vaterlose Gesellschaft? beschrieben werden.
Männer-Erfahrung
Dieses gesellschaftlich bestimmte Defizit in der Männer-Erfahrung für Jungen und Mädchen wird durch die MoKi-Projekte zu kompensieren versucht. Jungen suchen begierig in ihrem Umfeld nach Vorbildern, nach lebendigen Orientierungspunkten, nach Männern, die ihnen zeigen und Vorleben, wie Mann-Sein funktioniert. Dies versucht das Projekt Mobile-Kinder-Werkstatt Unna zu leisten: Männer im Erfahrungsraum der Jungen einzusetzen, um das Defizit an Männer-Erfahrung zu kompensieren.
Die Mobile-Kinder-Werkstatt Unna setzt ehrenamtliche Mitarbeiter für die Arbeit in Kindergärten und Grundschulen im Kreis Unna ein. Ehrenamtlich tätige Männer im ?Unruhestand? führen diese Projekte durch. Die Projekte wurden zuvor mit dem Kindergarten oder der Grundschule gemeinsam geplant und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Väter oder Großväter der Jungen aus dem jeweiligen Kindergarten bzw. der Grundschule werden ebenfalls eingeladen und können an dem Projekt teilnehmen (und danach evtl. im Team der ehrenamtlichen MoKi ?Mitarbeiter mitarbeiten).
Die ehrenamtlichen MoKi ?Mitarbeiter haben in ihrer Berufsbiografie fachliche Erfahrungen gesammelt und evtl. auch Erfahrungen in der Ausbildung von Lehrlingen. In der Durchführung von Projekten mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter fehlen ihnen aber meist die Erfahrungen. Deshalb werden die Jungenprojekte auf dem jährlichen Planungswochenende mit Vätern und ihren Jungen ausprobiert und an die Fähigkeiten der Kinder angepasst. Dies ist auch notwendig, weil im Berufsalltag ganz andere Fähigkeiten gefragt sind: Produkte müssen möglichst schnell, möglichst billig und möglichst exakt hergestellt werden. Die ehrenamtlich tätigen MoKi ?Mitarbeiter müssen hier umlernen: In der Arbeit mit den Jungen geht es darum, die Fähigkeiten und Grenzen der Kinder möglichst gut einzuschätzen, den Herstellungsprozess eines Produktes möglichst kleinschrittig zu beschreiben und sich auf die Situation in der Gruppe einzustellen. Es sind also für viele MoKi ?Mitarbeiter ganz neue Fähigkeiten gefragt. Dieser Lernprozess der ehrenamtlichen Mitarbeiter wird im MoKi-Projekt unterstützt und begleitet.
Pädagogischer Ansatz
Durch die unterschiedlichen MoKi-Projekte sollen die Fertigkeiten der Kinder im Bereich der Grobmotorik gefördert werden. Hier liegen die Stärken vieler Männer im ?Unruhestand? und davon können die Jungen am meisten profitieren. Ziel ist es, die Fertigkeiten im Umgang mit unterschiedlichem Werkzeug (Hammer, Säge, Pinsel etc.) und unterschiedlichen Materialien (Holz, Stein, Metall etc.) zu fördern. MoKi-Projekte sind produktorientiert, um den Kindern ein Erfolgserlebnis zu ermöglichen. Erfolgserlebnisse stärken die Zufriedenheit und das Selbstvertrauen. Auch im Blick auf Gewaltprävention ist dies von Bedeutung: Im MoKi-Projekt können Jungen lernen, in klaren Strukturen genau umgrenzte Aufgaben zu erfüllen. Sie müssen nicht ihre Männlichkeit im Gegenüber zu den ?anderen? Frauen beweisen, sondern lernen am Modell konstruktive Männerbilder.
Die ehrenamtlich tätigen Männer haben ihre Stärken im Bereich handwerklicher Tätigkeiten. Oftmals fehlt ihnen allerdings Erfahrung im Umgang mit Kindern. Deshalb ist es wichtig, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter des MoKi-Projektes die Möglichkeit haben, ihre handwerklichen Fachkenntnisse an die Fähigkeiten von Jungen zwischen 3 und 10 Jahren anzupassen und pädagogische Kompetenzen zu erlernen. Dies geschieht auf dem jährlichen Planungswochenende. Hier, sowie auf den monatlichen Austausch- und Planungstreffen werden die Erfahrungen in den MoKi-Projekten ausgetauscht und gebündelt. Dies ist auch der Raum, um die Projekte weiter zu entwickeln.
Struktur des MoKi-Projekts
Von einem Koordinator werden die einzelnen MoKi-Projekte mit den Kindergärten und Grundschulen als Kooperationspartner gemeinsam geplant. Hier werden Umfang, Zeitstruktur und Inhalt des Projektes festgelegt. Diese Planungen werden dann vom Koordinator in den monatlichen Team-Treff eingebracht und besprochen. Für jedes einzelne Projekt bildet sich ein Team ehrenamtlicher Mitarbeiter, die das Projekt durchführen.
Neue Projekte werden auf einem Planungswochenende mit Vätern und Kindern ausprobiert und auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet. Hier ist auch Raum für ehrenamtlichen MoKi-Mitarbeiter sich auf den Einsatz in den Projekten vorzubereiten. Diese Vorbereitung erfolgt praxisnah. Die Erfahrungen werden im Teamgespräch gemeinsam reflektiert.
Planungswochenende
Teilnehmer: Ehrenamtliche MoKi -Mitarbeiter, Väter mit ihren Kindern
(1 x jährl., Fr. bis So., 24 Ust.)
Das jährliche Planungswochenende hat folgende Ziele:
> Auf dem Wochenende wird die mobile Werkstatt eingerichtet und mit Werkzeug bestückt. In die mobile Werkstatt werden Werkbänke und Werkzeugschränke eingebaut.
> Die ehrenamtlichen Mitarbeiter planen gemeinsam mit Vätern und Kindern einzelne MoKi-Projekte, die den Kindergärten und Schulen angeboten werden können.
> Die einzelnen Bauprojekte können ausprobiert und auf die Möglichkeiten und Fertigkeiten der Kinder zugeschnitten werden. Die Tätigkeiten der Kinder werden für Kindergarten und Grundschulalter differenziert geplant und in einem Einordnungsraster beschrieben, damit die ehrenamtlichen Mitarbeiter die für die Jungen möglichen Tätigkeiten besser einschätzen können.
Team-Treff
Teilnehmer: Ehrenamtliche MoKi-Mitarbeiter
(1 x monatl., 15.00 bis 18.15 Uhr, mit Imbiss + 2 x jährl. 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr = 56 Ust.)
Der monatliche Austausch- und Planungstreff hat folgende Ziele:
> Die Mitarbeiter, die ein MoKi-projekt durchgeführt haben, berichten davon und die Erfahrungen werden ausgewertet.
> Die Planungen und die Teams für die anstehenden Aktionen werden abgesprochen.
> Ideen für weitere Jungenaktionen und die Bestückung der mobilen Werkstatt werden gesammelt und Wege zur Realisierung gemeinsam geplant

