Kirchenkreis Unna

Termine

7.02. Stentrop: Theologie der Psalmen

Theologische Gespräche mit Prof. Dr. Klara Butting - Die Psalmen spielen in der Bibel eine zentrale Rolle. Als Gebetsbuc

5.02. Kamen-Methler - Gib deiner Kirche deine Stimme

Gottesdienst zur Presbyteriumswahl  in Kamen-MethlerAnläßlich der Presbyteriumswahl in Methler gestalten Frauenchor


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Juli

Klimawandel - Hinführung

Unser Jahresthema "Mit Wandel leben" hat für Klima und Umwelt eine besondere Brisanz. Wie kann die Erde für ein Leben zukünftiger Generationen bewahrt werden? Was können Gesellschaft und Kirche bei uns tun? Wie können wir in unserem Engagement dem Schöpfungsauftrag Gottes entsprechen?

Im Sommer genießen wir besonders Natur und Schöpfung. Welche Impulse können uns dabei bereichern und anleiten?

Superintendentin Annette Muhr-Nelson hat

Andacht

"Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben ..." Nicht weg zu denken ist dieses Lied bis heute aus dem Repertoire sommerlicher Gottesdienste, Andachten und Chorkonzerte. Mit wunderschönen Worten und Bildern beschreibt Paul Gerhardt den Reichtum der Schöpfung und lädt dazu ein, sich ganz darein zu versenken:
"Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen." "Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten." 
"Die unverdrossne Bienenschar", "der Weizen wächset mit Gewalt" - da kommt so richtige Sommer-Sonnen-Stimmung auf. Voller Lust erinnern wir uns an den Duft von frischem Heu, Lindenblüten, Jasmin und Weizen, sehnen uns nach warmem Sonnenschein, nach einem leisen Lüftchen, nach paradiesisch unberührter Natur. 

Paradiesisch unberührte Natur? Wie war das noch? Gott schuf den Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, und siehe, es war sehr gut. Und dann schuf er den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden mit dem Auftrag, diese Erde im Namen Gottes zu bebauen und zu bewahren. - Und siehe, bald schon war es nicht mehr gut. Denn der Mensch maßte sich die Herrschaft über die Mit-Geschöpfe an, - über andere Menschen, vor allem Schwächere - Frauen, Kinder, Alte -, über Tiere und Pflanzen, ja sogar über Erde, Luft und Wasser. Er beutete die Ressourcen aus, die Quellen, aus denen dieses wunderbare Ökosystem Erde sich speisen und regenerieren und speisen und erhalten sollte. - So war es jedenfalls einmal von Gott, dem Schöpfer, in seiner Weisheit und Liebe gedacht. 

Seit einigen Jahren ist der Klimawandel ins Bewußtsein gerückt. Er vollzieht sich wesentlich dynamischer als ursprünglich angenommen. Dass unsere Wirtschaftsaktivitäten, unser Lebensstil und unsere liebgewordenen Gewohnheiten dabei eine wesentliche Rolle spielen, wird nur noch von den wenigsten bestritten. Wir - die Menschen in den reichen Industrieländern, die sich alle Errungenschaften der Technik leisten können, um sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen - sind für die Emissionen von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid verantwortlich, die eine globale Klimaerwärmung bewirken mit allen Folgen, die damit zusammenhängen: das Abschmelzen der Polkappen, das Schmelzen der Gletscher, das Ansteigen des Meeresspiegels, die Veränderung der warmen und kalten Meeresströmungen, die Starkregen und Überschwemmungen auf der einen und Dürre auf der anderen Seite mit sich bringen. All das führt schon heute zu Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit, Hunger und Tod.  

Die Aufgaben, vor die der Klimawandel Regierungen, Gesellschaften, Familien und jeden einzelnen Menschen stellt, sind gewaltig. Zu gewaltig, denken wir manchmal und versuchen, der Gefahr zu entrinnen, indem wir den Kopf in den Sand stecken oder so tun, als gebe es all das nicht. Solche Resignation kannte auch Paul Gerhardt durchaus. Er lebte ja in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Zudem litt seine geliebte Frau unter Depressionen. Da wird es auch ihm manches Mal schwer ums Herz gewesen sein. Aber dann setzte er sich wieder an den Schreibtisch - vielleicht nach einem erfrischenden Spaziergang durch die Felder - und dichtete. "Schau an der schönen Gärten Zier" - sieh doch, heb den Kopf, nimm wahr, wie gut Gott, unser Schöpfer, es mit uns meint. Willst Du denn tatenlos zusehen, wie diese Schönheiten zerstört werden und untergehen? Freu dich an dem, was Du siehst, und spüre wie dir aus dieser Freude und aus dem Lob Gottes Kraft zur Umkehr zuwachsen.  

Im Angesicht des Klimawandels gilt es, solche Schöpfungsspiritualität wiederzugewinnen. Eine Spiritualität, die stark genug ist, der Ökonomie, der Ausbeutung der Schöpfung, etwas entgegen zu setzen. 

In der Denkschrift der EKD zum Klimawandel (2009) heißt es darum:
"Als evangelische Kirche sind wir davon überzeugt, dass zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen ein einschneidender Mentalitätswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig ist. ... Wir bekennen, dass wir mit dem in den Industriestaaten vorherrschenden Lebensstil und einem allein auf Wachstum setzenden Wirtschaftssystem dieser Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung nicht gerecht geworden sind. Unser Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise tragen dazu bei, dass die Ressourcen der Schöpfung in unverantwortlicher Weise ausgebeutet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Lebenschancen beraubt werden. Damit machen wir uns schuldig, vor Gott, seiner Schöpfung und unseren Mitmenschen." (S. 107) 

Ein solches Schuldbekenntnis ist Voraussetzung für den nötigen Mentalitätswandel. Es heißt Abschied nehmen von dem Gedanken des Wachstums und sich zurück besinnen auf den Ursprung, von dem wir her kommen. Gott hat uns geschaffen und uns diese Erde anvertraut, damit wir sie bebauen und bewahren. Wir können auch anders leben. Gott traut es uns immer noch zu. - Lasst es uns doch mal versuchen!

Zur Ermutigung können wir dabei mit Paul Gerhardt singen: "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben." 

Eine schönen Sommer wünsche ich Ihnen noch!

Ihre Annette Muhr-Nelson, Superintendentin im Kirchenkreis Unna

Liturgische Anregungen zum Thema "Klimawandel - Klimagerechtigkeit"

Fotos: aboutpixel.de

Traditionell ist das Mittagsgebet dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung gewidmet.

Beim Klimawandel wird deutlich, wie eng diese drei Themen zusammengehören:

  • Schon heute sind viele tausend Menschen in den armen Ländern des Südens von den Folgen des Klimawandels betroffen. Die durch den Klimawandel verursachte Versteppung großer Landstriche zwingt weltweit mehr Menschen dazu ihre Heimat zu verlassen und sich ins Exil zu begeben als Bürgerkriege und politische Verhältnisse.
    Es wird daher von Klimaflüchtlingen gesprochen.
  • Mit allen Kräften für eine Verringerung der klimaschädlichen Emmissionen einzutreten, ist daher nicht nur eine Frage der Bewahrung der Schöpfung, sondern auch der Gerechtigkeit und des Friedens.

Meine Anregung lautet daher:

  • Nehmen Sie sich mittags 5 Minuten Zeit für das Klima!
  • Beten Sie jeden Mittag eins der unten angegebenen Gebete und Psalmen!

Und - wo es möglich ist - richten Sie in den Kirchen ein regelmäßiges Mittagsgebet für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein.  

Bibel, Gesangbuch und viele Liederbücher (z.B. "Lieder zwischen Himmel und Erde", tvd-Verlag) sind reich an Texten zu diesem Thema. Hier eine kleine Auswahl: 

Die Schöpfung bewahren

Vater, wir preisen dich für die ganze Schöpfung,
das Werk deiner Hände,
die Wärme der Sonne,
die Lebenskraft des Wassers,
die Fruchtbarkeit der Erde,
die Schätze der Tiefe,
das Glück der Menschen,
dass sie durch die Generationen vor dir leben dürfen.
Wir preisen dich, weil es bei dir keine Armut,
keinen Mangel und keinen Geiz gibt.
Deine Hand gibt reichlich für alles,
was vor uns lebte und was heute lebt.
Vater, wo du reich bist an Erbarmen,
da sind wir arm an Liebe und Gerechtigkeit.
Unzählige deiner Kinder hungern,
weil wenige zusammenraffen und verschwenden.
Der Geist der Feindschaft in unseren Herzen
bedroht alles Leben, das du geschaffen hast,
tagtäglich wird deine Schöpfung ärmer
an Pflanzen und Tieren,
vernichtet durch unsere Überheblichkeit.

Vater, gib uns ein neues Herz,
fähig zur Liebe und zum Respekt gegenüber allem,
was mit uns aus deiner Schöpferhand gewachsen ist.
Gib uns den Geist deines Sohnes,
der uns in den Lilien auf dem Felde
und den Vögeln unter dem Himmel
deinen Willen offenbarte.

Evangelisches Gesangbuch (EG), 881 

Gott, du schenkst mir in der Mitte des Tages
ein paar Minuten der Stille.
Die Ruhe tut mir gut. Ich danke dir. -
Vor dir denke ich nun an die vielen Unruheherde in dieser Welt,
an die Menschen, die leiden, weil sie zum Krieg gezwungen werden,
an Mütter und Väter, die ihren Kindern nicht die nötige Nahrung und Bildung geben können.
Ich sehe zum Skelett abgemagerte Kinder und Straßenkinder.
Haben wir keine Zukunft für sie?
Muss der Gegensatz zwischen Reichen und Armen immer noch schlimmer werden?
Zeige uns gerechtere Wirtschaftsstrukturen,
Wege zu sozialem Frieden,
Möglichkeiten, sinnvoll zu helfen,
dass wir lernen, miteinander als deine Kinder,
als Schwestern und Brüder zu leben.

EG 876 

O Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens ...

EG 875 

Versöhnunglitanei aus Coventry

EG 879 

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! (Hosea 10,12)
Du hast deinem Volk Frieden zugesagt,
damit wir nicht in Torheit unsere Tage verbringen.
     Ja, deine Hilfe lebt in allen Menschen guten Willens,
     und deine Freundlichkeit wohnt in unseren Herzen.
Wenn Güte und Treue einander begegnen,
werden Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
     Treue wächst auf der Erde,
     und Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab.
Dazu gibt Gott seinen Segen,
und unser Land schenkt uns reichen Ertrag.
     Die Gerechtigkeit ist unser Ziel,
     und Heil folgt der Spur unserer Schritte.

Uwe Seidel - nach Psalm 85

Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Alle Länder der Erde, die Regierungen aller Völker, die Bewohner der Städte,
die Menschen aller Landschaften haben sich geeinigt.
     Sie loben Gott, ihren Herrn.
     Sie führen keine Kriege mehr.
Sie misshandeln keine Menschen.
Sie kämpfen nicht mehr gegeneinander.  
     Sie zerstören nicht mehr die Erde.
     Sie legen die Schöpfung zurück in Gottes Hand.
Sie haben erkannt: Gott allein ist der Herr.
Sie dienen Gott mit großer Freude.
     Helfen und Heilen ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.
     Ihre Freude wirkt wie eine ansteckende Gesundheit.
Noch viele Menschen werden diese Freude weitergeben
Und von ihr erzählen.
     Alle Länder der Erde, die Regierungen aller Völker,
     die Bewohner der Städte, die Menschen aller Landschaften 
    verwirklichen die Güte Gottes.

Uwe Seidel -  nach Psalm 100 

Gebet von den Philippinen

Wir bitten um Frieden,
damit die Leben spendende Erde uns  mit ihren Früchten segnet,
damit die Zimmerleute ein Dach über ihren Kopf bekommen,
damit die Bauern Essen auf dem Tisch haben,
damit die Textilarbeiter ihre erschöpften Körper bekleiden können,
und damit die, die für Frieden kämpfen,
Gerechtigkeit finden,
weil Christus unser Friede ist. Amen. 

SegensGebet

Eines Tages, Herr, wird die Erde blühen.
Die Wüsten werden zum Garten Eden.
Die Menschen gehen auf die Straße und teilen die Liebe aus,
Liebe aus erster Hand. Amen.

VaterUnser

Geht hin in Frieden,
denn selig sind, die unsere Welt beschützen.
Ihr werdet leben. Amen.

 

Segen

Gott umhülle dich,
dass dir Luft zum Atmen bleibt,
dass dir Wasser zum Tränken bleibt,
dass dir Feuer zum Wärmen bleibt,
dass dir Erde zum Wohnen bleibt.
Gott umhülle dich. 

Segen der Erde mit dir.
Segen des Meeres mit dir.
Segen des Windes mit dir.
Segen der Bäume mit dir.
Segen des Wassers mit dir.
Segen der Felsen mit dir.
Segen der Sterne mit dir.
Siebenfacher Segen über dich
und über alles, was du liebst. Amen.

Kohlekraftwerke nein danke !?

Im nordöstlichen Ruhrgebiet gibt es mit den Standorten Hamm-Uentrop, Werne-Stockum, Bergkamen-Heil, Lünen, Dortmund-Mengede, Datteln, Herne-Baukau und Marl bereits acht Kohlekraftwerke. An fünf Standorten sind Erweiterungen bzw. neue Blöcke genehmigt. Diese arbeiten zwar effizienter, leisten aber keinen Beitrag zum Klima-, Gewässer- und Gesundheitsschutz, da bei erhöhten Kapazitäten die Emissionen gleich bleiben.

Politisch ist zwar eine Senkung der CO2-Emissionen gewollt. Werden aber alle in der BRD bereits genehmigten und geplanten Kohlekraftwerke gebaut, ist das Klimaschutz-Ziel der Bundesregierung allein schon durch die Emissionen der KoKW hinfällig. Die Landessynode der EKvW hat daher ein Moratorium beim Bau von Kohlekraftwerken gefordert.

In unserer Region wird die Debatte um die KoKW sehr verhalten geführt, da unsere Region von der Kohle lebt (gelebt hat) und der weitere Abbau von Arbeitsplätzen gefürchtet wird, wenn geplante KoKW nicht gebaut werden. Tatsache ist aber, dass durch die Förderung einer klimaverträglichen Energieversorgung weit mehr Arbeitsplätze geschaffen würden als durch die Fortführung der Großkraftwerke.

Im Herbst wollen die Kirchenkreise Hamm und Unna den öffentlichen Diskurs darüber führen und mit Vertretern aus Kommunen, Parteien, Bürgerinitiativen etc. ins Gespräch kommen.

Literatur & Links

Links zu Texten 

Links zu Initiativen und Aktionen 

Literaturempfehlung

18 handfeste Ideen für den Klimaschutz nennt die LAG 21 NRW ihre neue Broschüre, die 18 verschiedene Aktionsideen als Angebote im Rahmen der Klimaschutz-Aktionswochen vom 13.-26. September 2010 auf 23 Seiten präsentiert. Bei den Ideen geht es zum Beispiel um die Aufstellung eines Klimaschutzatlas für Schulen, um Energieberatung und Spartipps, um ein mobiles Klimaschutz-Kino oder um das Projekt "Zukunft einkaufen". Die Broschüre kann bezogen werden bei: landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V., Deutsche Straße 10, 44339 Dortmund, Tel. 0231/93696012.
Download hier.

http://www.moewe-westfalen.de/arbeitsbereiche/umwelt_und_entwicklung/