Februar
Wandel durch Bildung

- Philipp Melanchthon
Als evangelischer Kirche ist uns die enge Verknüpfung von Bildung und Christsein in die Wiege gelegt. Martin Luther stellte die geltenden Bildungsinhalte in Frage. In Wittenberg zettelte er eine Bildungsdebatte um das rechte Verständnis der Buße an. Er wollte seine Zeitgenossen bilden. Mehr noch. Mit dem Kernanliegen, dass der einzelne Christenmensch sein Leben und seinen Glauben vor Gott verantworten muss, rückt die Bildung des Einzelnen in den Mittelpunkt.
Wer die Kirche verändern will, muss nach reformatorischer Überzeugung die Menschen in den Stand versetzen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Deshalb setzen Martin Luther und seine Mitstreiter auf einen Wandel durch Bildung. Mit Gutenbergs Druckverfahren bedienen sie sich der damals modernsten Medientechnik. Sie fordern Bildung für alle Kinder und Jugendlichen, auch für die Mädchen. Ziel ist es, ein öffentliches Schul- und Universitätswesen zu schaffen.
Als evangelische Kirche begehen wir 2010 in Erinnerung an den 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon ein Jahr der Bildung. Wir erinnern an den "Lehrer Deutschlands" (Praeceptor Germaniae), weil er der überragende Bildungsorganisator seines Jahrhunderts war. Ihm verdanken wir die Volksschule. Mit seinem persönlichen Einsatz bei der Eröffnung der neuen Schule in Nürnberg hat er den Grundstein für das gelegt, was wir heute Gymnasium nennen.
Seine Bemühungen um ein neues Bildungssystem blieben nicht ohne Widerspruch. Viele wollten die alten vermeintlich elitären Lateinschulen beibehalten und zögerten, die Schule für alle Jungen und Mädchen zu öffnen. Neben dem ständischen Denken spielten schon damals auch finanzielle Überlegungen eine Rolle. Diesen Fürsten und Stadträten hat Melanchthon immer wieder klarzumachen versucht, dass gute Bildung Geld kostet und die Schulen gut auszustatten sind.
In den letzten Jahren haben sich immer neue Reformen die Klinke in die Hand gegeben. Lernstandserhebungen, zentrale Abschlussprüfungen, Ganztagsschulinitiative, Qualitätsanalyse sind nur einige. Als evangelische Kirche begleiten wir diesen Wandel der Bildung als Antwort auf eine sich wandelnde Welt im Zeichen der Globalisierung und gestalten ihn mit. So trägt der Kirchenkreis Unna an 14 Schulen Verantwortung in der Ganztagsbetreuung. Im Verbund mit den Gemeinden wollen wir, dass kein Kind mittags in der Schule vor einem leeren Teller sitzt. Wir stellen Unterrichtsmaterial und Erstausstattungen für Schulanfänger zur Verfügung.
Wir stärken die Arbeit von Religionslehrerinnen und Religionslehrern und bieten Diskussionsforen zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit. Mit Vehemenz setzen wir uns ein, dass kein Kind und kein Jugendlicher in unserem Bildungssystem aufgegeben wird. Darin sehen wir eine diakonische Dimension der Bildung. Durch Bildung werden Kinder und Jugendliche befähigt, ihre eigene Würde zu erfahren und das eigene Leben konstruktiv und gemeinsam mit anderen zu gestalten.
Melanchthon hat das Ziel der Bildung darin gesehen, dass Menschen so früh wie möglich "zur Religion und anderen Tugenden" gebildet werden. Für ihn ist Religionsunterricht und Werteerziehung kein Nebenfach, das - wie jüngst in Nordrhein-Westfalen von einer Partei gefordert - verzichtbar wäre. Im Gegenteil. Melanchthon hat als weitsichtiger Bildungstheoretiker darauf beharrt, dass nicht Verwertungswissen oder gar ökonomische Interessen den Kern der Bildung bestimmen, sondern Bildung der Entfaltung der Identität dient.
In diesem Sinne wollen wir die vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen und den Wandel in den Bildungseinrichtungen im Kirchenkreis vom Kindergarten bis zum Berufskolleg mitgestalten. Als evangelische Kirche bleiben wir der Überzeugung treu, dass Wandel durch Bildung nötig und verheißungsvoll ist. In diesem Sinne bleiben wir dem Auftrag Jesu treu: "Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Matthäus 28,20)
Pfarrer Andreas Müller, Schulreferent
Links
- Website über Leben und Werk von Melanchthon www.melanchthon.de
- Weitere Links zu Melanchthon
- Publikationen über Bildung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
- Plattform für Religionspädagogik der EKD
