Kirchenkreis Unna

Berichte & Bilder 1

21.6. Calvins Geburtstag auf Haus Reck

Der belebte Hof von Haus Reck
Der belebte Hof von Haus Reck

Posaunenklänge wehen über den mittelalterlichen Schlosshof, frühbarocke Intraden und Partiten. Zum Glück stehen die Musiker im trockenen Wehrgang, denn die ankommenden Gäste trotzen dem Schauer unter Regenschirmen. Doch da haben sie die trockene Scheune schon erreicht und bekommen dort Wein und Brötchen angeboten. Vor dem riesigen Trecker, der gestern noch auf dem Feld war, stehen Tische und Bänke. Die Plätze reichen nicht ganz für die gut 80 Menschen, so rücken alle zusammen - gut für die Atmosphäre. "Wenn Gemeinde drin ist, wird nach reformiertem Verständnis auch eine Scheune zur Kirche," begrüßt Superintendentin Annette Muhr-Nelson die Gäste.

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7.6. Kanzelrede Heinrich Peuckmann

Die erste Kanzelrede hielt der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann (Download des ganzen Textes hier ). Er stellte den literarischen Bezug zu dem in Unna gedichteten Choral "Wachet auf ruft uns die Stimme" von Philipp Nicolai her und entwickelte daraus Impulse für heutiges Denken und Handeln.
Als erzählerischen Einstieg wählte Peuckmann  den handgreiflichen Kanzelstreit zwischen den lutherischen und den reformierten Anhängern der Reformation. Die lutherische Seite habe sich mit der Berufung des Theologen Philipp Nicolai an die Stadtkirche durchgesetzt. Die erste Zeile seines Liedes"Wachet auf, ruft uns die Stimme" deutete Peuckmann so: "Wachet auf, das heißt doch im Umkehrschluss: Ihr schlaft, wenn ihr die bessere Welt nicht seht."
Im Folgenden rief der Kamener Autor dazu auf, angesichts ökologischer Probleme und gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten Zukunftshoffnung für heute zu entwickeln.

31.5.: Erinnerung an Barmen

Sup. A. Muhr-Nelson, Pfr. F. Hielscher, Presbyterin B. Paschedag, A. Kariakhova (Jüd. Gemeinde)
Sup. A. Muhr-Nelson, Pfr. F. Hielscher, Presbyterin B. Paschedag, A. Kariakhova (Jüd. Gemeinde)

Die Erinnerung an die Abfassung der Barmer Theologischen Erklärung (BTE, hier S. 7) vor 75 Jahren stand an diesem Pfingstsonntag in der Unnaer Stadtkirche im Mittelpunkt.
Die Erklärung gehört mit zu den Bekenntnissen der Evangelischen Kirche von Westfalen und ist eines der wenigen Zeugnisse des kirchlichen Widerstands aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Pfarrer Frank Hielscher beschrieb in seinem Predigtteil die Bronzeskulptur "Die Ja-Sager und Nein-Sager" (Abbildung hier, S. 66 und 77), die in der Wuppertaler Fußgängerzone auf das Geschehen von Barmen verweist. Hier sind Hitler-Anhänger den Menschen, die Weisung im Lesen der Bibel suchen, einander gegenübergestellt. "Geht die Trennungslinie zwischen den beiden Gruppen durch mich selbst hindurch?" stellte Hielscher am Ende die Frage nach Anpassung und Widerstand.
In jedem Fall erinnert die BTE "als Stolperstein für alle Menschenworte" auch heute daran "gegen den Zeitgeist Augen und Ohren offen zu halten für, was das Wort Gottes zu sagen hat," betonte Superintendentin Annette Muhr Nelson in ihrem Predigtteil. Dies hatten die Synodalen, die sich 1934 in der Wuppertaler Kirche Bramen-Gemarke versammelten, damals versucht. Doch sie waren sich in vielem nicht einig und dass es überhaupt zu dieser Erklärung kam ist schon " ein Pfingstwunder, wie es in der Bibel beschrieben ist, viele unterschiedliche Sprachen, und doch ein Geist." So fehlt den sechs Barmer Thesen eine siebente, "die sich schützend vor das Volk Gottes, die Juden stellt. Eine solche Aussage war damals nicht möglich. Dann wäre die ganze Erklärung nicht zustande gekommen. Dagegen konnte nicht einmal der Heilige Geist etwas ausrichten."
In dem Gottesdienst wurde diese Leerstelle mit der Anwesenheit von Alexandra Khariakova, der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Unna "haKochav" betont. Sie las den biblischen Text der 10 Gebote. Auch KMD Hannolore Höft (Orgel) und Sebastian Höft (Trompete) erinnerten mit Klezmer-Musik an die fehlende These von Barmen. Gemeinsam wurde das hebräische Lied "Hevenu schalom alechjem - wir wünschen Frieden euch allen" gesungen.

 

Der gesamte Wortlaut der BTE findet sich im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 858.

27.5. Die Sakramente in ihrer Bedeutung für den gelebten Glauben

Pfr. Georg Birwer, Pfrn. Sabine Zorn
Pfr. Georg Birwer, Pfrn. Sabine Zorn

Zum zweiten ökumenischen Vortrags- und Gesprächsabend hatten der Kirchenkreis Unna und die katholische Pfarrgemeinde St. Katharinen in den Katharinentreff eingeladen. Fast 50 Gäste und die Referentin Pfrn. Sabine Zorn aus Villigst konnte Pfr. Georg Birwer begrüßen.
Warum gibt es in der katholischen Kirche sieben, in der evangelischen Kirche aber nur zwei Sakramente? In die Bedeutung und Entwicklung dieses "Miteinanders von Wort und Element" führte Pfrn. Zorn ein. Dabei wurde deutlich, dass die heutigen katholischen Sakramente Firmung und Eucharistie ursprünglich mit zur Feier der Taufe gehörten. Bis ins frühe Mittelalter hinein sei die Erwachsenentaufe üblich gewesen, mit dem Wechsel zur Kindertaufe habe sich die Feier wesentlich verändert.
Die Reformatoren sei die ausdrückliche Einsetzung der Sakramente durch Christus wichtig gewesen, während die katholische Praxis auch andere Traditionen berücksichtige. Ebenso hätten die Kirchen der Reformation die Liturgie des Abendmahles sehr konzentriert. Zorn plädierte abschließend dafür, auch im evangelischen Bereich die Tauferinnerung mehr zu begehen und das Abendmahl wieder aufwändiger zu feiern.
Im Anschluss an das Referat entspann sich ein Austausch über die jeweilige persönliche Frömmigkeit zwischen katholischen und evangelischen Gemeindegliedern: "Haben die Evangelischen nicht ein komisches Gefühl, wenn sie das Abendmahl einfach so wegpacken?" "Dürfen nur Geistliche salben?" "Ich habe heute noch ein negatives gefühl, dass ich damals das evangelische Abendmahl ausgeschlagen habe, denn auch das war doch Gottes Gastfreundschaft!"
"Es ist ein großes Geschenk, dass die beiden Konfessionen sich in Unna seit 450 Jahren reiben und einander wachsen können," fasste Pfr. Birwer die Diskussion zusammen und ermutigte zu weiterem "inneren Brückenbauen".

13.5. Sind Protestanten und Katholiken unterschiedlich Kirche?

Dr. Burkhard Neumann

In vielen Punkten seien sich die Kirchen näher gekommen, so  der katholische Theologe Dr. Burkhard Neumann. Sein Vortrag zum Kirchenverständnis aus katholischer Sicht  fand erfreulich viele Interessierte, die jetzt im Rahmen des 450 Reformationsjubiläums  zu dieser ökumenischen Veranstaltung in das Haus der Kirche in Unna gekommen waren. Annette Muhr-Nelson, Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Unna, begrüßte den Gastreferenten, der in verschiedenen westfälischen Gemeinden - darunter auch in Holzwickede - und im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten zu ökumenischen Fragen gearbeitet hat. Seit 2004 leitet Neumann das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn.

"Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils", so der Theologe Neumann. Im Zweiten Vatikanischen Konzil habe die katholische Kirche die anderen Christen als Geschwister im Glauben wieder erkannt. "Die Taufe begründet ... ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind". Mit dieser zu wenig in ihrer Tragweite wahrgenommenen "Öffnungsklausel" des Konzils, gestehe die katholische Kirche auch anderen Kirchen ihren Platz als Kirche zu. Damit sei der Weg für eine ökumenische Arbeit frei gemacht worden. Die zuletzt aufgekommenen "Irritationen" von katholischer wie als Reaktion von evangelischer Seite, seien in ihren Stimmen dazu nicht immer glücklich gewählt gewesen. "Die Spaltung der Christenheit lässt auch die katholische Kirche nicht unbeeindruckt - das hat eine tiefe Wunde hinterlassen!", betont Burkhard Neumann.  

Die Ökumene unter katholischen und evangelischen Christen, inzwischen Realität in Deutschland, trage dazu bei, am geistlichen Reichtum der anderen christlichen Kirchen teilzuhaben. Schon Papst Johannes Paul II. hat immer wieder deutlich gemacht, dass auch die katholische Kirche von den anderen Kirchen gelernt hat und weiterhin von ihnen lernen kann.  Wenn im Augenblick in allen Kirchen ein verstärktes Bemühen um die Klärung der eigenen Identität wahrzunehmen ist, so komme darin die Sorge der Kirchen zum Ausdruck, das "eigene Profil in der größer werdenden Gemeinschaft der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften nicht zu verlieren. Das Hauptthema aller ökumenischen Bemühungen unserer Zeit muss das Ziel der "sichtbaren Einheit" bleiben. In dieser Frage ist der Dialog der Kirchen noch nicht zu einem Ergebnis gekommen. An diesem Punkt müssten sich die Kirchen weiterhin auf den Weg miteinander machen, um in Dialog und Gebet zu verstehen, welche Form der sichtbaren Einheit Jesus Christus für seine Kirche will.

27.4. - 8.5. 2009 Austellung "Du gehst Mich an" in der Bürgerhalle des Rathauses Unna

Das Gospel "Lasst mein Volk ziehen", vorgetragen vom zehnköpfigen Kinderchor der jüdischen Gemeinde, schufen für den großen Zuhörerkreis eine andachtsvolle Atmosphäre. Foto: Tonino Nisipeanu

UNNA.   Auf über 7000 ist die Zahl jüdische Bürger in Westfalen wieder angewachsen - rund ein Viertel der Vor-Nazi-Zeit. Synagogen sind landauf, landab neu entstanden, wie etwa 2008 in Bielefeld durch Umwidmung einer evangelischen Kirche - und wie bald wohl auch in Unna für die neue Gemeinde "ha Kochaw" (Stern). Elf Gesellschaften für Christlich-jüdische Zusammenarbeit versuchen neue "Geschwisterlichkeit" zu erzeugen. Diesen neuen Weg des Dialogs und der Gemeinsamkeit sucht eine von der evangelischen Landeskirche initiierte Ausstellung "DU gehst MICH an" zu unterstützen.

Auf dem Einladungsplakat stehen sich zwei Gesichter gegenüber, die durch einen hebräischen und einen deutschen Text der Schöpfungsgeschichte gebildet werden. Bis zum 8. Mai ist die Wanderausstellung  in Unna in der Bürgerhalle des Rathauses zu sehen  -  "dort, wo  jüdisches Leben hingehört - mitten in der Stadt", wie die Eröffnungsredner übereinstimmend betonten: außer Bürgermeister Werner Kolter die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Unna, Alexandra Khariakova, Superintendentin Annette Muhr-Nelson  sowie Georg Birwer von der katholischen Katharinengemeinde. Letztere gehören zusammen mit Landrat Makiolla, Stadtwerke-Unna-Chef Jänig und dem Landtagsabgeordneten Kuschke  auch dem veranstaltenden Förderverein der Unnaer jüdischen Gemeinde an, der im Übrigen weitere Mitstreiter sucht.

Mit Texten von Rebecca Horn und Franz Rosenzweig, mit Bibelzitaten, aber auch dem Bericht der 14jährigen Helga Ravn, die 1938 in Westfalen die Reichspogromnacht erlebte, führten drei Schülerinnen aus dem Religionskurs von Edzard Krückeberg (Geschwister-Scholl-Gymnasium) in die Aussagen der Ausstellung ein. Violin-Musik der russischstämmigen Tamara Haas sowie hebräische Lieder, darunter das Gospel "Lasst mein Volk ziehen", vorgetragen vom zehnköpfigen Kinderchor der jüdischen Gemeinde, schufen für den großen Zuhörerkreis eine andachtsvolle Atmosphäre.

Die Ausstellung ist übersichtlich in vier auch farblich unterschiedene Teile gegliedert: Leben der Juden in Westfalen vor der Shoah, sodann die so leidvolle Shoah-Periode, drittens der Neubeginn eines Dialogs, speziell in Westfalen, und schließlich die Perspektiven, etwa: wie gehen wir gemeinsam mit dem Staat Israel um? Jetzt ist eine fünfte Tafel angegliedert: sie berichtet aus dem Leben von Unnas neuem jüdischen Kulturverein "Stern" und der noch jüngeren gleichnamigen Gemeinde. Symbolisch, wo diese erste räumliche Aufnahme fand: im katholischen Altersheim Bonifatius, ehedem "Israelitisches Altersheim für Westfalen". Ebenso dankbar aufgezeigt von Alexandra Khariakova die Hilfeleistungen der evangelischen Seite, so von der Gemeinde Fröndenberg und dem Kirchenkreis Unna. 

24.-26.4. Kirchenkabarettfestival

Klüngelbeutel-Kneipenkirche
Klüngelbeutel-Kneipenkirche
Der perfekte Pfarrer
Der perfekte Pfarrer
Publikumsbeteiligung
Publikumsbeteiligung
Szenen einer ökumenischen Ehe
Szenen einer ökumenischen Ehe

Unter dem Titel "UNNAhörte Eseleien" fand das erste Unnaer Kirchenkabarettfestival in der Lindenbrauerei statt. Alle drei Abende waren gut besucht.
Den Auftakt gestalteten gleich zwei Gruppen: "Schwester & Bruder GmbH" trafen auf das "klerikale Kabarett Kommando".
Unter dem Motto ?Selig sind, die über sich selbst lachen können? betrieb am zweiten Abend der Kölner "Klüngelbeutel" seine "satirische Volksmission". Da gab es erfolgreiche Teilnahme von protestantischer Seite an "Verbotswettbewerben" und Information über den protestantischen Triathlon: Klimaschützen, gerechte Sprache, Mülltrennen. Immer wieder bestimmten Szenen aus dem Callcenter "Lamento - Center für Glaubensreklamationen" das Programm  - bis Jesus selbst anrief.
Am dritten Abend erzeugten Ulrike Böhmer und Micki Wohlfahrt,  als Erfolgsduo mit Ruhrgebietseinschlag, im Lindenbrauerei-Kühlschiff Heiterkeit:
Finanzengpässe, Priestermangel - beide christlichen Großkirchen sind unter Stress. Da wird der Kabarettist schnell fündig und lässt den neuen katholischen Pfarrverbund im Laufe des Abends von Dortmund-Eving über Castrop-Rauxel und Gelsenkirchen Süd, dann westwärts über Unna-Massen bis Hamm-Uentrop auswuchern - "das halbe Ruhrgebiet", wie Protokollant Karl Koslowski verkürzend festhält.
Der nun ist von der anderen Fraktion und im evangelischen Männerdienst Gelsenkirchen-Ueckendorf/ Herne-West rührig. Mit Erna Schabiewsky, einem Ausbund an Originalität auf der katholischen Laien-Seite, ist ein "ökonomenisches"  Gemeindefest  vorzubereiten sei. Die beiden Laien lassen anfänglich das Gegenüber Überlegenheit spüren: Wie komme er damit klar, muß sich der Protestant fragen lassen, dass er "nur in so einer Art Kirche"lebe? Und -  passend zum zusätzlichen Schalke-Borussia-Dualismus - auf der Ebene der Sakramente mit 2 : 7 unterlegen sei? Da schlägt Koslowski beim "Heiligen-Wettbewerb" gegen Franziskus und Petrus zurück mit sechs Mal Martin Luther, der schließlich aus Petrus´ Fels "ne ganze fest Burg" errichtet habe.

 

 

 

 

 

23. 4. Ausstellungseröffnung "Es wolt uns Gott gnedig sein"

Grußwort Bürgermeister Kolter
Grußwort Bürgermeister Kolter
Pfr. i.R. Düsberg, Dr. Reinhild Stephan-Maaser, Pfr. Jörg-Uwe Pehle
Pfr. i.R. Düsberg, Dr. Reinhild Stephan-Maaser, Pfr. Jörg-Uwe Pehle
Pfr. i.R. Düsberg
Pfr. i.R. Düsberg

Festlich wurde die Ausstellung "Es wolt uns Gott gnedig sein" in der Unnaer Ev. Stadtkirche eröffnet. Superintendentin Annette Muhr-Nelson und Bürgermeister Werner Kolter betonten in ihren Grußworten die gemeinsame Geschichtevon Kirche und Stadt in Unna. Kolter sprach eine Einladung an alle BürgerInnen aus, Unna als offene, tolerante Stadt zu gestalten - unabhängig vom eigenen Glauben.
Eine Einführung in die Unnaer Reformationsgeschichte gab Pfr. i.R. Jürgen Düsberg. Er erinnerte an die Situation Unnas um 1559 "mit zwei- bis dreitausend Einwohnern, einer Mauer um die Stadt und einer großen Kirche". Der damalige Landesherr Johann III. von der Mark habe kirchliche Missstände missbilligt, aber nicht beherzt eingegriffen. In dieser Situation sei das charismatische Wirken des Kaplans Eberhard Wortmann in Unna auf fruchtbaren Boden gefallen, habe zu einer "lutherischen Obamamanie" geführt. Der Hilfsgeistliche habe mit der Einführung des Choralsingens und der Abschaffung des Kniens das Selbstbewusstsein der Menschen so gestärkt, so dass sich eine "Yes, we can" - Stimmung für den Protestantismus verbreitet habe.
Dr Reinhild Stephan-Maaser führte in das "viele Papier" der Ausstellung ein, in der Bibeln, Andachtsbücher, Konfirmationsurkunden und andere Zeugnisse evangelischer Frömmigkeit zu sehen sind. "Früher war die Bibel oft das einzige Buch im Haushalt und die Kinder haben damit Lesen gelernt," betonte die Leiterin des Hellweg-Museums.
Die Veranstaltung wurde von Sebastian Höft (Trompete) und KMD Hannelore Höft (Klavier) musikalisch umrahmt. Die Moderation lag bei Pfr. Jörg-Uwe Pehle, der sich bei allen Mitwirkenden herzlich für die gute Zusammenarbeit bedankte.

Die Ausstellung ist an den beiden Standorten Ev. Stadtkirche und Hellwegmuseum bis zum 28.6. zu sehen.

 

 

 

 

 

 

21.4. Luther-Darstellungen in der Literatur

Dr. Bärbel Beutner
Dr. Bärbel Beutner

"Wie dieses Stück aufgeführt wurde, kann ich mir nicht vorstellen" begann Dr. Bärbel Beutner ihren Vortrag "Luther-Darstellungen in der Literatur" im Unnaer zib. Und doch ist das Drama "Martin Luther und die Weihe der Kraft" des heute unbekannten Dichters Zacharias Werner (1768-1823) mit großem Erfolg und den berühmtesten Schauspielern der Zeit seit seiner Berliner Uraufführung 1806 zu sehen gewesen. Sogar in viele europäische Sprachen wurde es übersetzt. Ein großer Chor prägte bunte Volksszenen, die Eltern Luthers und seine spätere Frau Katharina von Bora hatten wirkungsvolle Auftritte darin. Dazu kam die Theologie Luthers in volksnahen Szenen und Gesprächen zum Ausdruck.
Die Referentin hatte eines der seltenen Exemplare des Werkes über den Antiquariatsbuchhandel erwerben können und faszinierte die Zuhörenden mit ihren engagierten und humorvollen Einblicke in das Stück.
Dem Schauspiel "Luther, die Nachtigall von Wittenberg" von August Strindberg (1849-1912) sind die Einflüsse der damals neuen Forschungen Sigmund Freuds anzumerken. Offensichtlich klangen die eigenen Kindheitserfahrungen des Autors in seiner Darstellung der Jugend des Reformators an. Auch dieses Werk ist nur noch in Antiquariaten erhältlich.
In wie unterschiedlichen Rollen die Person und Theologie Martin Luthers in der Literatur dargestellt wurde zeigte Dr. Beutner weiterhin an Werken von Heinrich von Kleist, Thomas Mann und Christine Brückner. Das knapp 20-köpfige Publikum des ersten Vortrages im Rahmen des Jubiläums "450 Jahre Reformation in Unna" bedankte sich für den intensiven Abend mit anhaltendem Applaus.

19.4. Kantatengottesdienst zur Eröffnung

Fenster Ev. Stadtkirche
Fenster Ev. Stadtkirche

Mit einem Kantatengottesdienst wurde das Reformationsjubiläum eröffnet. Im Mittelpunkt stand die Kantate "Christ lag in Todesbanden" von Johann Pachelbel, die von der Philipp-Nicolai-Kantorei unter der Leitung von KMD Hannelore Höft erklang. Der Luther-Choral "Christ lag in Todesbanden" wurde im Ostergottesdienst 1559 zum erstenmal in der Ev. Stadtkirche gesungen. Fortan setzten sich lutherische Theologie und Gottesdienstformen in Unna durch.

Pfrn. Gudrun Mawick betonte in ihrer Liedpredigt, dass der Osterglaube ChristInnen für Veränderungen motiviere. Die Feier des Reformationsjubiläums sei keine innerprotestantische, schon gar keine antikatholische, sondern eine gesamtgeschellschaftliche Sache.