August - Flucht
August - Flüchtlinge
"Das erste, was afrikanische Flüchtlinge von Europa sehen, sind Zäune, Mauern, Soldaten, Polizisten, Todesstreifen, Stacheldraht, Gewehrläufe, Gummiknüppel - so sichert die Europäische Union auf afrikanischem Boden vor Ceuta und Melilla ihre Südgrenze. Wer diese Absperrungen zu überwinden versucht, der ist seines Lebens nicht sicher. 16 Menschen starben dort im Oktober 2005 in einer einzigen Nacht im Kugelhagel - das jüngste Opfer war ein sechs Monate alter Säugling. Viele versuchen, auf dem Seeweg von Afrika nach Europa überzusetzen. Gegen sie ist eine ganze Armada im Einsatz: Schiffe, Helikopter, Flugzeuge, Hochempfindliche Radars, Wärmebildkameras und Satelliten kommen in diesem militärisch organisierten Abwehrkampf zum Einsatz, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Allein vor den kanarischen Inseln waren es im letzten Jahr nach Schätzung der spanischen Behörden 6000 Tote - wer die gefährliche Überfahrt auf die Kanaren, nach Lampedusa, Malta, Sizilien oder die griechischen Inseln überlebt, der darf kaum auf Milde hoffen: Tausende wurden in den vergangenen Jahren ohne Prüfung ihrer Fluchtgründe fortgeschafft, abgeschoben - oft nicht einmal in die Heimat, sondern ins nächstbeste afrikanische Land, dessen Behörden für ein paar Dollar oder Euro die erforderlichen Papiere ausstellten. Ihre Spur verliert sich in der Wüste. Die Festung Europa hat sich eingeigelt: An unseren Grenzen gibt es kein Recht mehr. Kein Flüchtlingsrecht, kein Völkerrecht, kein Seerecht, und für viele ... nicht einmal mehr das Recht auf Leben. Namenlos und ungezählt sterben die Unglücklichen, verdursten, ertrinken, verschwinden zwischen den Wellen. In manchen Regionen des Mittelmeers wurde die Fischerei eingestellt, da sich immer wieder menschliche Leichenteile in den Netzen finden." So schreibt Elias Bierdel von der Organisation "Borderline-europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V."
Die Hauptvorlage "Globalisierung gestalten" widmet dem Thema Migration ein eigenes Kapitel, denn die immer stärker werdenden und immer brutaler bekämpften Flüchtlingsströme sind eine Folge der Globalisierung. Die Hauptvorlage zitiert den Ökumenischen Rat der Kirchen mit einem Wort aus dem Jahr 1995: "Als Kirche helfen wir allen, die durch schwierige politische, wirtschaftliche und soziale Bindungen gezwungen sind, ihr Land und ihre Kultur zu verlassen - unabhängig von der Bezeichnung, die andere ihnen geben mögen."
Als Synodalbeauftragter des Kirchenkreises Unna für Flüchtlingshilfe ist es meine Aufgabe, diese Zusage der Kirchen auch vor Ort gemeinsam mit anderen Engagierten vor Ort im Kreis Unna umzusetzen. Gemeinden, die von Flüchtlingen um Hilfe gebeten werden, erhalten gerne von mir Beratung und Unterstützung. Sie erreichen mich unter folgender Adresse:
Helge Hohmann
Pfarrer für Zuwanderung
Kirchlich-Diakonischer Dienst für Integration Unna-Massen
Buderusstr. 11
Telefon: 02303-333916
Fax: 02303-333918
Email: hohmann@kidilum.org
Material und Links:
www.kirchenasyl.de: Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche" ist der organisatorische Zusammenschluss der Kirchenasylbewegung in Deutschland. Sie besteht aus den Netzwerken aller Kirchengemeinden, die bereit sind, Flüchtlinge im "Kirchenasy" vor Abschiebung zu schützen, wenn begründete Zweifel an einer gefahrlosen Rückkehr bestehen. Sie tritt für die Flüchtlinge und deren UnterstützerInnen ein durch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, Publikationen, Tagungen und Beratung von Gemeinden. Sie dokumentiert bundesweit alle Kirchenasylfälle und archiviert relevante Informationen.
www.proasyl.de: Die Menschenrechtsorganisation PRO ASYL hat es sich zur Aufgabe gemacht, der unmenschlichen Behandlung von Flüchtlingen entgegen zu wirken. Sie hilft Flüchtlingen individuell in Situationen, in denen sie Unterstützung benötigen - z.B. in Asylverfahren vor Gericht. Und sie arbeitet politisch. Mit Analysen, juristischen Gutachten, Expertisen, Lobbyarbeit und europaweiter Zusammenarbeit greift sie im Interesse verfolgter Menschen immer wieder wirksam in die öffentliche Diskussion ein.
www.fluechtlingsrat-nrw.de: Der Flüchtlingsrat NRW e.V. vertritt auf Landesebene die Interessen der Flüchtlingsinitiativen und Flüchtlingsräte. Auf seiner Homepage bietet er aktuelle Informationen zu flüchtlingspolitischen Themen, zu rechtlichen Grundlagen der Flüchtlingspolitik sowie zur aktuellen Rechtsprechung.
Material der Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche":
http://www.kirchenasyl.de/6_publikation/6_1_unsere/download/erstinfo.pdf : Erstinformationen für Gemeinden zum Thema Kirchenasyl
http://www.kirchenasyl.de/2_aktuelles/2_1_termine/downloads/Seelsorge.pdf : Seelsorge im KirchenasylHandreichung für Unterstützerkreise und Gemeinden als Hilfestellung für den Alltag im Kirchenasyl und Umgang mit Traumata http://www.kirchenasyl.de/2_aktuelles/2_1_termine/downloads/Gedenkgottesdienst%20Material.pdf : "Lass die Tiefe mich nicht verschlingen..." Anregungen für einen Gottesdienst zum Gedenken an ertrunkene Flüchtlinge
Gebet:
Klagegebet mit Kyriegesang
Gott, wir bringen vor dich unsere Klagen über die Leiden und die Not deiner Kinder in Afrika.
Sieh an ihre Verzweiflung, höre ihre Schreie nach Leben in Gerechtigkeit und Frieden.
Warum können sie im Land, das du ihnen gegeben hast, nicht von ihrer Hände Arbeit und dem Reichtum ihrer Erde leben?
Warum lässt du Gott zu, dass sie die Elendsten unter der Sonne sind: gepeinigt, ausgeraubt und in ihrer Würde missachtet?
Gott, mach ein Ende damit, dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen und auf der Suche nach neuem Leben sterben müssen.
Wir rufen zu dir: Kyrie...
Gott, wir halten inne, es verschließt uns den Mund,
wenn wir erkennen, wie viele Menschen um unseres Wohlstands Willen,
um unserer Unfähigkeit Willen, die Welt zu ändern, umkommen.
Gott, du weißt um jeden Toten, der verdurstet oder ertrinkt, auf seinem Weg scheitert, strandet, - stirbt. Du weißt um jeden Menschen, Du Liebhaber der Menschen, bei Dir sind geborgen alle Träume.
Du sammelst, Gott, alle Tränen der Mütter und Väter, die zurück bleiben,
der Kinder, die ihre Eltern betrauern.
Du sammelst, Gott, unser aller Tränen.
Vor Dir schweigen wir und gedenken der Toten.
Wir rufen zu dir: Kyrie...
Gott, in Jesus Christus hast Du alle Menschen befreit,
Du hast uns befreit und zur Versöhnung bereit gemacht.
Deinen Geist gieße über uns aus, damit wir die Trauer, die Scham und die Wut verwandeln in ein Handeln, das Liebe und Frieden, Gerechtigkeit und Erneuerung ermöglicht.
Hilf uns, Handlungsschritte zu sehen, Mut zu haben, sie zu wagen und mit Freundinnen und Freunden gemeinsam neue Wege zu gehen.
Wir rufen zu dir: Kyrie...
(Jürgen Quandt/Fanny Dethloff)
