April
Frauenrollen im Wandel
- Vor 102 Jahren wurde in Preußen Frauen das Studium erlaubt.
- Vor 92 Jahren erhielten Frauen aktives und passives Wahlrecht in Deutschland.
- Seit 65 Jahren steht im Grundgesetz: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
- Seit 50 Jahren gibt es die Pille, die Frauen vor ungewollten Schwangerschaften schützt.
- Seit 33 Jahren gibt es die sog. "Hausfrauenehe" nicht mehr, so dass Frauen nun selbst über ihre Berufstätigkeit und ihre Finanzen entscheiden können.
- Seit 6 Jahren hat der Kirchenkreis Unna eine Frau als Superintendentin an der Spitze.
- Seit 5 Jahren ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. ...
Diese Liste ließe sich noch weiter fortführen. Eine Liste, die bezeugt, wie sehr sich die Gesellschaft verändert und gewandelt hat. Von einer klar und deutlichen patriarchalisch geprägten hin zu einer mehr oder weniger gleich berechtigten Gemeinschaft von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen!
Ja, die Gesellschaft hat sich gewandelt. Aber ...
Es gibt immer noch die so genannte gläserne Decke, wenn es darum geht, dass Frauen Karriere machen wollen. Bis hierher und nicht weiter - in die Chefetage zu kommen, ist für Frauen immer noch nicht selbstverständlich.
Es gibt immer noch jährlich die aktuellen Zahlen, dass die Frauen weniger verdienen als die Männer. Am 26. März, dem equal pay day, wiesen in diesem Jahr in vielen Städten verschiedene Organisationen darauf hin, dass Frauen bis zu diesem Tag arbeiten müssen, damit ihr Einkommen des Jahres 2009 (+ Einkommen für 85 Tag) so hoch ist, wie das der Männer des Jahres 2009.
Es gibt immer noch das Gleichstellungsgesetz und Förderpläne - Instrumente, die Frauen gleiche Chancen wie Männern auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen wollen.
Es gibt immer noch den girls day, damit Mädchen nicht nur in typische Frauenarbeitsbereiche hineingehen, die meist schlecht bezahlt sind. ...
Auch diese Liste ließe sich weiter führen. Eine Liste, die bezeugt, dass immer noch nicht alles gut ist. Eine Aufgabenliste für die nächsten Jahrzehnte.
All diese gesellschaftlichen Entwicklungen betreffen Kirchen genauso. In der Kirche verdienen Frauen weniger als die Männer. Das liegt einerseits daran, dass es mehr Sekretärinnen und Schreibkräfte gibt als Abteilungsleiterinnen. Das liegt andererseits daran, dass Erzieherinnen in einer fast männerfreien Zone arbeiten. Es gibt nur wenige Erzieher.
Es gibt Pfarrerinnen und Pfarrer. Aber es gibt nur wenige Superintendenten unter den 31 Kirchenkreisen in Westfalen.
Im ehrenamtlichen Bereich lässt sich weiter beobachten: Männer übernehmen oft die Ämter mit Ansehen und (Finanz-)Verantwortung, Frauen übernehmen Aufgaben im sozialen Bereich.
Andacht & Gebet

- Die drei Frauen am Grab
Wir brauchen Visionen! Wir brauchen Hoffnung! Wir brauchen Ostern!
Während im gesellschaftlichen Leben das Grundgesetz mit seiner Formulierung "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" ein klares Ziel aller Bemühungen vorgibt, haben wir in der Kirche in unserem Glauben eine Verheißung: Im Brief an die Gemeinden in Galatien schreibt Paulus "Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus. " (Gal 3, 28)
Zwischen März mit seinem Internationalen Frauentag (8.3.) und dem equal pay day (26.3.) auf der einen Seite und dem Mai mit dem Muttertag (9.5.) auf anderen Seite liegt der April mit Ostern. Das Fest Ostern ist ein Mut machendes Hoffnungsfest. Jesus überwand den Tod, überwand tiefste Ungerechtigkeit und Willkürherrschaft - und zeigte den Weg zum neuen und hoffnungsvollen Leben an.
Die Frauen am Grab hörten es als erste (Mk 16):
Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, die Maria des Jakobus und Salome duftende Öle, um zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Sehr früh am Sonntag gingen sie zum Grab, als die Sonne gerade aufging. Da sagten sie zueinander: "Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?" Doch als sie aufschauten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war. Dabei war er sehr groß. Und als sie ins Grab hineingingen, sahen sie auf der rechten Seite eine jünglingshafte Gestalt sitzen, die ein strahlend helles Gewand trug. Da erzitterten sie vor Ehrfurcht. Die Gestalt sagte zu ihnen: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist von den Toten auferweckt worden, er ist nicht hier; seht den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten. Nun aber geht hin, sagt seinen Jüngerinnen und Jüngern, auch dem Petrus: Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat."
Der auferstandene Christus zeigt, dass Hoffnung kein Ende hat. Es gibt immer wieder ein "trotzdem", wenn wir Visionen und Hoffnungsbilder verwirklichen wollen. Das leere Grab gibt Hoffnung auf Veränderung, wo schon jede Hoffnung verloren schien.
Das lässt uns hoffen. Amen.
Pfrn. Elke Markmann, Frauenreferentin im Kirchenkreis Unna
Gebet:
Gott, schenk mir die Aussicht auf Dein Reich, in dem Menschen gleichberechtigt miteinander leben.
Gott, schenk mir die Zuversicht, dass Ungerechtigkeiten irgendwann nicht mehr sind.
Gott, schenk mir das Vertrauen, dass ich mit meinen Ängsten und Nöten bei Dir Trost finde.
Gott, schenk mir die Kraft, meinen Teil zur Veränderung der Welt im Kleinen und im Großen zu tun.
Amen.
Liedvorschläge:
- Da ist ein Sehnen tief in uns ...
- Erleuchte und bewege uns
