Andacht September 2009
Erinnerung verpflichtet - "Auf Gewalt ruht kein Segen"
Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Auf diesen Krieg hatte Hitler von Beginn seiner Regierung an hin gearbeitet. Die große Mehrheit der Deutschen, auch der evangelischen Kirche, folgte Hitler in den Krieg. Vergeblich verhallten einzelne Stimmen, die ihre Kirche dazu drängten, die Friedensbotschaft des Evangeliums zu bekennen.
Der Irrweg des Krieges endete fast sechs Jahre später in der militärischen Niederlage Deutschlands. Die Evangelische Kirche in Deutschland bekannte im Oktober 1945: "Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden." Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen bezeugte 1948 in Amsterdam: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein." Im selben Jahr formulierten Kirchenvertreter in Eisenach: "Auf der Gewalt ruht kein Segen, und Kriege führen nur tiefer in Bitterkeit, Hass, Elend und Verwahrlosung hinein."
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich im Grundgesetz von 1949 darauf verpflichtet "dem Frieden in der Welt zu dienen" und stellt Handlungen, die "das friedliche Zusammenleben der Völker stören", insbesondere die Führung eines Angriffskrieges, unter Strafe. Dies gilt bis heute.
Das Gedenken an den Beginn und an die Schrecken des zweiten Weltkrieges stellt uns vor die Aufgabe, uns an diese Einsichten zu erinnern und in diesem Sinne die gegenwärtigen friedenspolitischen Herausforderungen anzugehen.
Dazu gehört es insbesondere weiterhin an der Versöhnung durch Völkerverständigung, insbesondere in Osteuropa, zu arbeiten, die Schuld Deutschlands nicht zu relativieren und dem Weltbild der Neonazis entschieden entgegenzutreten, den Aufstieg Deutschlands zur drittgrößten Rüstungsexportnation kritisch zu hinterfragen und an der Forderung festzuhalten, dass der deutsche Beitrag zur europäischen Außen- und Sicherheitspolitik auf die zivile Konfliktlösung auszurichten ist.
Wir sind selbst verstrickt in die ungerechte Aufteilung der Welt in wirtschaftlich und politisch Mächtige und Ohnmächtige. Angesichts der gewaltigen Herausforderungen, vor denen wir stehen, gilt es, das Zeugnis der Bibel zu bekräftigen, das diejenigen selig preist, die den Frieden suchen. Darum halten wir fest daran, dass Gewalt kein Mittel zur Konfliktlösung ist und dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf. Daran zu arbeiten und dafür zu beten, sind alle Menschen guten Willens aufgefordert.
Unna, den 1.9.2009
Wort des Kirchenkreises Unna zum 70. Jahrestags des Beginns des zweiten Weltkrieges
Annette Muhr-Nelson, Superintendentin

