Kirchenkreis Unna

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Andacht Oktober 2009

"Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen". Die Bibel, 1. Timotheus 6,17 

Säen und auf Gott vertrauen, dass die Ernte gelingen möge - so leben und handeln Bauern seit Jahrhunderten. Auch in diesem Jahr schauen wir zurück auf eine reichhaltige Ernte, gleichwohl mischt sich in die Freude vielerorts auch große Sorge. Niedrige Erlöse für die Arbeit des ganzen Jahres, für die Früchte des Feldes, aber auch für Fleisch und vor allem Milch machen es Bäuerinnen und Bauern schwer, mit leichtem Herzen Dank zu sagen. Manche Bauernfamilie ist der Verzweiflung nahe und fragt sich, was sie falsch gemacht hat, ohne wirkliche Antworten zu finden.
Viele Menschen begreifen in diesen Tagen, dass etwas falsch gelaufen ist in unserer Gesellschaft, in unserer Wirtschaft, in unserem Denken. Wir spüren hinter der Krise der Wirtschaft, hinter der Angst um Arbeitsplätze und Betriebe, eine noch tiefere Erschütterung. Wir spüren den Verlust alter Gewissheiten.
Mit dem Vertrauen in unsere Wirtschaftsordnung ist auch ein Stück Zuversicht verloren gegangen, droht das Vertrauen in die Gerechtigkeit unserer Gesellschaft Schaden zu nehmen. Denn wo das Streben nach dem schnellen Geld, wo die Gier weniger die Lebensgrundlagen vieler zerstört, geht mehr verloren als nur materielle Werte.

Und so darf gerade in diesem Jahr zum Erntedanktag das Danken nicht ohne das Denken geschehen. Viele erahnen, dass die Zeiten härter werden und versuchen nach Kräften, die Krise zu meistern. Politik, Verbände und Unternehmen werben für neues Vertrauen und wollen mit der Wirtschaft auch den Menschen helfen. Wie aber kann der Landwirtschaft und damit auch den ländlichen Gebieten geholfen werden? ...
...Christliche Verantwortung erfordert Solidarität mit den Schwachen, gebietet Nächstenliebe, aber auch die Pflicht zur Wahrheit. Dies gilt für die Politik ebenso, wie für alle Verbände, die sich für die Interessen der Landwirtschaft oder einzelner Produktionsbereiche einsetzen. Gerade in Krisenzeiten muss den Bauern mit großer Ehrlichkeit gesagt werden, dass Politik Möglichkeiten, aber auch Grenzen hat. Nicht jeder Bauer wird das Erbe der Väter an eine neue Generation aktiver Landwirte weitergeben können. Betriebe, die in der neuen Zeit bestehen können und wollen, brauchen Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb....
...Kirchen, Verbraucher und Gesellschaft sind gefordert, diesen Wandel mitzugestalten - zum Nutzen der ländlichen Räume und um der Menschen willen. Das christliche Menschenbild muss wieder stärker zum Leitbild unseres Handelns werden. Gott schenkt uns die Fülle des Lebens, dass alle daran teilhaben und dass wir gerecht teilen können.  

Aus der "Gemeinsamen Erklärung zum Erntedankfest 2009"
Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband/ Erzbistum Paderborn, Bistum Münster und Bistum Essen/ Evangelische Kirche von Westfalen/ Lippische Landeskirche 

Den ganzen Text der Erklärung finden Sie hier.