Andacht November 2008
Seit ihren Anfängen steht die christliche Kirche an der Seite der Armen. Jesus hat für die Armen und Schwachen Partei ergriffen. Und schon die alttestamentlichen Propheten mahnten Gerechtigkeit und Recht für die Armen, die Witwen, Waisen und Fremdlinge an. So schreibt Jeremia: "Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm gut. Heißt dies nicht, mich recht erkennen? spricht Gott, der Herr."(Jeremia 22,16) Ohne den Blick für das Elend der Armen ist Gotteserkenntnis nicht möglich.
Armut muss, wo möglich, vermieden und dort, wo es sie dennoch gibt, gelindert werden. Das ist ein zentraler Auftrag der Kirchen. Im praktischen Vollzug merken wir das noch an den Kollekten im Gottesdienst, an den Sammlungen für die Diakonie, wie es sie jetzt im November wieder gibt, oder auch an Spendenaufrufen bei aktuellen Katastrophen, aber auch daran, dass in den Gemeinden ehrenamtliches Engagement ganz hoch im Kurs steht. Neben den traditionellen Einsatzbereichen wie Besuchsdienst und Bezirksfrauen entwickelt sich vor allem dort neues ehrenamtliches Engagement, wo es um handfeste Hilfen gibt. So ist es kein Problem Menschen zu finden, die die Ausgabestellen der Unnaer Tafeln betreuen. Auch wenn in einer Gemeinde Flüchtlinge beherbergt werden müssen, mangelt es in der Regel nicht an Menschen, die hier gerne unterstützen.
Momentan richten wir unser Augenmerk auf die Kinderarmut im Land. Die Kampagne gegen Kinderarmut "Lasst uns nicht hängen" der Evangelischen Kirche von Westfalen stößt auf breites Interesse. In Kamen z.B. wurde gleich eine Stadtkonferenz initiiert. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, eine fünfstellige Summe für Projekte gegen Kinderarmut in seiner Stadt auftreiben zu können.
Gesucht werden noch Menschen, die Projektideen haben und ihre Zeit und Kraft einbringen, um diese Projekte umzusetzen.
Wie wäre es z.B. mit einem Nachhilfeprojekt? Dass Kinder aus sozial schwachen Familien schlechtere Bildungschancen haben als andere, wissen wir alle. Doch was kann man dagegen tun? Eine Änderung des Schulsystems fordern ist das eine. Lernmittelfreiheit zu erkämpfen ist das andere. Kostenlos Nachhilfe geben ist eine weitere Möglichkeit. Die meisten Kinder erhalten auf dem Weg zu ihrem Schulabschluss in dem einen oder anderen Fach intensive Förderung. Gutsituierte Eltern lassen sich das einiges kosten. Kinder aus finanzschwachen Milieus sind hier eindeutig benachteiligt.
Arme Kinder sind nicht dümmer als andere. Sie brauchen genauso viel Förderung, wenn nicht mehr. Um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen, ist eine gute Schulbildung unerlässlich. Sie ist die Basis für das ganze weitere Leben.
Gerechtigkeit fängt im ersten Schuljahr an - oder sogar schon vorher. Und wir können alle etwas dazu beitragen! Schenken Sie jede Woche einem Kind Zeit. Das ist keine vertane Zeit. Es ist Zeit, die Sie für ein Kind und damit für Gott verbringen.
Herzlich, Ihre Annette Muhr-Nelson, Superintendentin des Kirchenkreises Unna
Informationen zum Projekt "Nachhilfe" bekommen Sie bei Dietrich Schneider unter 02303/288108, mail: dietrich.schneider(at)kk-ekvw.de

