Andacht Mai 2010
In deiner Gnade Gott, verwandle die Welt!
So lautete die Überschrift einer großen ökumenischen Versammlung in Porto Alegre in Brasilien. Christinnen und Christen aus allen Erdteilen sprachen diese Bitte gemeinsam aus - und nahmen damit das Anliegen des ersten Weltsozialforums auf, das am gleichen Ort einige Jahre zuvor getagt hatte: Eine andere Welt ist möglich!
- Ist eine andere Welt wirklich möglich?
- Lassen sich Armut und Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit tatsächlich verwandeln - so dass Hoffnungsperspektiven für alle entstehen?
Der Prophet Jesaja beschreibt in der Bibel, wie das aussehen wird:
Jesaja 65, 17 - 25
(17) Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.
(18) Vielmehr freut euch und frohlockt allezeit über das, was ich schaffe! Denn siehe, ich schaffe Jerusalem zum Frohlocken und sein Volk zur Freude.
(19) Und ich werde über Jerusalem frohlocken und über mein Volk mich freuen. Und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehgeschreis wird darin nicht mehr gehört werden.
(20) Und es wird dort keinen Säugling mehr geben [,der nur wenige] Tage [alt wird,] und keinen Greis, der seine Tage nicht erfüllte. Denn der Jüngste wird im Alter von hundert Jahren sterben, und wer das Alter von hundert Jahren nicht erreicht, wird als verflucht gelten.
(21) Sie werden Häuser bauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen.
(22) Sie werden nicht bauen und ein anderer bewohnt, sie werden nicht pflanzen, und ein anderer ißt. Denn wie die Lebenszeit des Baumes wird die Lebenszeit meines Volkes sein, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände genießen.
(23) Nicht vergeblich werden sie sich mühen, und nicht zum jähen Tod werden sie zeugen. Denn sie sind die Nachkommen der Gesegneten des HERRN, und ihre Sprößlinge werden bei ihnen sein.
(24) Und es wird geschehen: ehe sie rufen, werde ich antworten; während sie noch reden, werde ich hören.
(25) Wolf und Lamm werden zusammen weiden; und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind; und die Schlange: Staub wird ihre Nahrung sein. Man wird nichts Böses und nichts Schlechtes tun auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der HERR.
Welch großartiges Bild einer Welt ohne Ungerechtigkeit, ohne Leid und Krieg!
Wenn das Gottes Vision ist für die Welt, für sein Volk - wir lesen das im neuen Testament in der Offenbarung Johannes ja in ganz ähnlicher Weise - , sollten wir uns als Christen und Kirchen da nicht für die Verwirklichung dieser Vision einsetzen? Wir sind zwar nicht die Global-Player, die großen internationalen Macher in dieser Welt, aber die Global-Prayer, so hat es Alt-Bischof Huber in Porto Alegre formuliert: die können wir sein, die weltweiten Beter. Wir vertrauen auf die Macht des Gebetes. Und aus dieser Kraft des Gebetes heraus arbeiten wir für wirtschaftliche Strukturen, die allen zugute kommen und Armut beseitigen helfen.
Eine andere Welt, ohne Armut ist möglich - dazu stehen wir, nicht weil wir sie schaffen können, sondern weil es Gottes Vision für diese Erde ist.
In dem ökumenischen Diskussionsprozess "Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde" (AGAPE) wird gefragt: Wie kann eine Ökonomie der Liebe aussehen, eine Wirtschaft im Dienst der Menschen und der Erde? Ich zitiere zwei kurze Passagen:
- "Wir verpflichten uns erneut, durch die Entwicklung solidarischer Volkswirtschaften und überlebensfähiger Gemeinschaften für die Beseitigung von Armut und Ungerechtigkeit zu arbeiten. Wir werden von unseren Regierungen und den internationalen Institutionen verlangen, dass sie über die Umsetzung ihrer Verpflichtungen zur Armutsbeseitigung und zur Nachhaltigkeit Rechenschaft ablegen. (>Millenium-Entwicklungsziele der UN aus dem Jahre 2000, bis 2015 die Armut weltweit zu halbieren)
- Wir verpflichten uns erneut, uns durch kritisches Hinterfragen von Freihandel und einschlägigen Verhandlungen für gerechte internationale Handelsbeziehungen zu engagieren und in enger Zusammenarbeit mit sozialen Bewegungen für faire, gerechte und demokratische Handelsabkommen einzutreten."
Im Kirchenkreis Unna gibt es viele Initiativen, die mit diesen Selbstverpflichtungen Ernst machen. Es gibt Eine-Welt-Aktivitäten in Schulen und Gemeinden: Dort wird auf die großen Chancen fairen Handelns hingewiesen. Es gibt Partnerschaften mit Ländern des Südens, in denen persönliche Kontakte die Augen öffnen für die vielen Farben des Volkes Gottes. Es gibt das Projekt "Zukunft einkaufen", in dem Gemeinden und Kirchenkreis beim Einkauf von Papier, Energie und Verbrauchsmitteln bewusst ethische und ökologische Kriterien beachten. Und es gibt die Broschüre "Zukunft bewegen", in der Positionen der evangelischen Kirche zu sozialen und ökologischen Fragen zusammengestellt sind. Sie dient auch als Hilfestellung, um die Positionen der Parteien bei der bevorstehenden Landtagswahl zu prüfen.
"Es wird geschehen, ehe sie rufen, werde ich antworten" - so sagt es der Prophet Jesaja. Darauf hoffen wir: Dass all unser Prüfen, Handeln, Beten und Tun in Gottes neue Erde münden werden.
Gebet:
In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt. Wir bitten Dich: In deiner Gnade, Gott, verwandle auch uns, Deine Kirche, und uns, die wir uns nach Christus Christen nennen.
Weil wir auf die verwandelnde Macht Gottes vertrauen, die auch uns verwandelt, können wir sagen: Eine Andere Welt ist möglich und nötig, eine Welt ohne Armut und Hunger,
können wir gemeinsam mit anderen daran arbeiten: an einer Globalisierung, die alle einschließt, einer Globalisierung der Gerechtigkeit und Solidarität.
Ja, Gott, in deiner Gnade, verwandle die Welt.
Amen.
Beate Heßler, Regionalpfarrerin im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung. Mozartstr. 18-20, 59423 Unna
Zum Monatsthema "Afrika" im Rahmen des kreiskirchlichen Jahresthemas "Mit Wandel leben" geht es hier.


