Andacht September 2010
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Gerechte Teilhabe
Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag? Mir sind einige Eindrücke dieses Tages trotz ein paar Jahrzehnten Abstand noch sehr nahe:
Da gab es den Tornister, der eine Ledertasche war, ohne Rücken schonende Gurte und ohne ergonomisches Design, auch ganz ohne bunte Motive. Ich war sehr stolz auf diese Tasche.
Und natürlich eine Schultüte. Die lag noch lange in meinem Elternhaus auf dem Dachboden.
Ach ja: kratzige Kniestrümpfe hatte ich an. Auf dem Einschulungsfoto sieht man sie, bis ganz nach oben hochgezogen.
Heute sieht die Ausrüstung da doch ganz anders aus.
Ich erinnere mich auch noch an den Geruch meiner Grundschule. Jedes Mal, wenn ich heute ein Schule betrete, denke ich, dass ich geruchlich in "meiner" alten Schule sei - es gibt eben Dinge, die ändern sich wohl nie. Der Geruch in Schulen gehört dazu.
In diesen Tagen werden viele Kinder eingeschult. Sie machen sich auf einen neuen Weg, der trotz Vorbereitung im Kindergarten doch so viel Neues und Ungewisses birgt. Das hat sich letztlich in all den Jahren auch nicht geändert.
Aber Schule ist heute doch so anders, als wir Erwachsene sie erlebt haben: Bereits in den ersten Jahren gehört Englisch zum Unterricht, freies Lernen in der Klasse ist selbstverständlich und eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten sollen dazu beitragen, dass Kinder sich individuell entwickeln und ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend lernen.
Aber auch das hat sich geändert: die Schere zwischen den Familien, die viel Zeit und Geld in die Bildung ihrer Kinder investieren und Familien, die dazu nicht in der Lage sind, wird immer größer. Bildungsgerechtigkeit sieht anders aus. In keinem anderen europäischen Land sind die Bildungschancen der Kinder in einem so hohen Maße vom Einkommen der Eltern abhängig wie bei uns.Gerecht ist das nicht. Das darf uns als Christen nicht egal sein.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. (Matthäus 5, 6)
In den Seligpreisungen legt Jesus die Latte für uns hoch: Wenn ihr Ungerechtigkeit entdeckt, wendet Euch dagegen, sucht nach gerechten Wegen und setzt Zeichen: für die Teilhabe auch derjenigen, die schnell vergessen werden, die nichts oder nur ein viel zu kleines Stück vom Kuchen abbekommen.
Auf dem Kindergipfel der Ev. Kirche von Westfalen vor zwei Jahren in Schwerte haben Kinder dies mit ihren Worten so ausgedrückt.
- Arme Kinder haben wenig zu essen und hungern. Sie haben kein Pausenbrot oder essen ungesunde Sachen. Das macht die Kinder krank.
- Wir Kinder fragen: Könnt ihr da nichts machen?
- Arme Kinder sind manchmal nicht so gut in der Schule.
- Sie haben nicht die richtigen Schulsachen und die Eltern können ihnen oft nicht bei den Hausaufgaben helfen?
- Wir Kinder fragen: Sollen arme Kinder dumm bleiben?
Daher ist es für uns ein Anliegen, Wege zu finden, die Kindern eine gerechte Teilhabe an Versorgung und Bildung ermöglichen: die Aktionen "Kein leerer Teller" und "Von wegen nix zu machen" des Kirchenkreises helfen dabei. Schön wäre es, wenn wir solche Aktionen nicht mehr bräuchten, davon sind wir allerdings noch weit entfernt.
Gerechtigkeit für unsere Kinder - das muss uns weiterhin ein wichtiges Anliegen bleiben. Dafür lohnt sich jeder Einsatz, jedes Gebet, jede Spende. Und das nicht nur zum Schulanfang!
Ihr Dietrich Schneider, Diakon im Jugendpfarramt
Im Rahmen des Jahresthemas des Kirchenkreises Unna "Mit Wandel Leben" ist "Kindheit" das Monatsthema für den September, weitere Informationen hier.


