Kirchenkreis Unna

Termine

Ungewöhnliche Trauerreise ( 7.- 14.September) der Diakonie Ruhr-Hellweg

Noch Plätze frei:  Mit Gezeiten und Gesprächen einen eigenen Weg in der Trauer finden  

UNNA.   Es

4.10. Noch Plätze frei für Herbstreise in das traumhafte Andalusien!

Reisezeit: 4.-11.Oktober 2010

BERGKAMEN.    Eine kulturhistorisch spannende wie landschaftlich malerisc


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Andacht Juli 2010

"Geh aus mein Herz..."



Sommernatur, Bilder: aboutpixel.de

"Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben ..." Nicht weg zu denken ist dieses Lied bis heute aus dem Repertoire sommerlicher Gottesdienste, Andachten und Chorkonzerte. Mit wunderschönen Worten und Bildern beschreibt Paul Gerhardt den Reichtum der Schöpfung und lädt dazu ein, sich ganz darein zu versenken:
"Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen." "Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten." 
"Die unverdrossne Bienenschar", "der Weizen wächset mit Gewalt" - da kommt so richtige Sommer-Sonnen-Stimmung auf. Voller Lust erinnern wir uns an den Duft von frischem Heu, Lindenblüten, Jasmin und Weizen, sehnen uns nach warmem Sonnenschein, nach einem leisen Lüftchen, nach paradiesisch unberührter Natur. 

Paradiesisch unberührte Natur? Wie war das noch? Gott schuf den Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, und siehe, es war sehr gut. Und dann schuf er den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden mit dem Auftrag, diese Erde im Namen Gottes zu bebauen und zu bewahren. - Und siehe, bald schon war es nicht mehr gut. Denn der Mensch maßte sich die Herrschaft über die Mit-Geschöpfe an, - über andere Menschen, vor allem Schwächere - Frauen, Kinder, Alte -, über Tiere und Pflanzen, ja sogar über Erde, Luft und Wasser. Er beutete die Ressourcen aus, die Quellen, aus denen dieses wunderbare Ökosystem Erde sich speisen und regenerieren und speisen und erhalten sollte. - So war es jedenfalls einmal von Gott, dem Schöpfer, in seiner Weisheit und Liebe gedacht. 

Seit einigen Jahren ist der Klimawandel ins Bewußtsein gerückt. Er vollzieht sich wesentlich dynamischer als ursprünglich angenommen. Dass unsere Wirtschaftsaktivitäten, unser Lebensstil und unsere liebgewordenen Gewohnheiten dabei eine wesentliche Rolle spielen, wird nur noch von den wenigsten bestritten. Wir - die Menschen in den reichen Industrieländern, die sich alle Errungenschaften der Technik leisten können, um sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen - sind für die Emissionen von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid verantwortlich, die eine globale Klimaerwärmung bewirken mit allen Folgen, die damit zusammenhängen: das Abschmelzen der Polkappen, das Schmelzen der Gletscher, das Ansteigen des Meeresspiegels, die Veränderung der warmen und kalten Meeresströmungen, die Starkregen und Überschwemmungen auf der einen und Dürre auf der anderen Seite mit sich bringen. All das führt schon heute zu Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit, Hunger und Tod.  

Die Aufgaben, vor die der Klimawandel Regierungen, Gesellschaften, Familien und jeden einzelnen Menschen stellt, sind gewaltig. Zu gewaltig, denken wir manchmal und versuchen, der Gefahr zu entrinnen, indem wir den Kopf in den Sand stecken oder so tun, als gebe es all das nicht. Solche Resignation kannte auch Paul Gerhardt durchaus. Er lebte ja in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Zudem litt seine geliebte Frau unter Depressionen. Da wird es auch ihm manches Mal schwer ums Herz gewesen sein. Aber dann setzte er sich wieder an den Schreibtisch - vielleicht nach einem erfrischenden Spaziergang durch die Felder - und dichtete. "Schau an der schönen Gärten Zier" - sieh doch, heb den Kopf, nimm wahr, wie gut Gott, unser Schöpfer, es mit uns meint. Willst Du denn tatenlos zusehen, wie diese Schönheiten zerstört werden und untergehen? Freu dich an dem, was Du siehst, und spüre wie dir aus dieser Freude und aus dem Lob Gottes Kraft zur Umkehr zuwachsen.  

Im Angesicht des Klimawandels gilt es, solche Schöpfungsspiritualität wiederzugewinnen. Eine Spiritualität, die stark genug ist, der Ökonomie, der Ausbeutung der Schöpfung, etwas entgegen zu setzen. 

In der Denkschrift der EKD zum Klimawandel (2009) heißt es darum:
"Als evangelische Kirche sind wir davon überzeugt, dass zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen ein einschneidender Mentalitätswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig ist. ... Wir bekennen, dass wir mit dem in den Industriestaaten vorherrschenden Lebensstil und einem allein auf Wachstum setzenden Wirtschaftssystem dieser Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung nicht gerecht geworden sind. Unser Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise tragen dazu bei, dass die Ressourcen der Schöpfung in unverantwortlicher Weise ausgebeutet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Lebenschancen beraubt werden. Damit machen wir uns schuldig, vor Gott, seiner Schöpfung und unseren Mitmenschen." (S. 107) 

Ein solches Schuldbekenntnis ist Voraussetzung für den nötigen Mentalitätswandel. Es heißt Abschied nehmen von dem Gedanken des Wachstums und sich zurück besinnen auf den Ursprung, von dem wir her kommen. Gott hat uns geschaffen und uns diese Erde anvertraut, damit wir sie bebauen und bewahren. Wir können auch anders leben. Gott traut es uns immer noch zu. - Lasst es uns doch mal versuchen!

Zur Ermutigung können wir dabei mit Paul Gerhardt singen: "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben." 

Eine schönen Sommer wünsche ich Ihnen noch!

Ihre Annette Muhr-Nelson, Superintendentin im Kirchenkreis Unna 

Im Juli  steht im Rahmen des kreiskirchlichen Jahresthemas "Mit Wandel leben" der Klimawandel im Mittelpunkt, weitere Informationen und Anregungen finden Sie hier.