Kirchenkreis Unna

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Andacht Februar 2009

Monatsspruch Februar: Wo ist euer Glaube? (Lukas 8,25)

Bild aus dem Veranstaltungsflyer "mehr Dialog: jetzt"

Ich bin bekennender Serienfan - und meine Lieblingsserie heißt "Türkisch für Anfänger"! Es geht um eine deutsch-türkische Patchworkfamilie im alltäglichen Überlebenskampf. Klischees über Deutsche und Türken werden aufs Korn genommen und liebevoll-ironisch inszeniert.
Das, was dort schon als fast selbstverständlich gilt - Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken - ist im wirklichen Leben noch nicht ganz so "normal".
Eine gerade erschienene Studie des Berlin-Instituts bringt es auf den Punkt: Türken in Deutschland sind die am wenigsten integrierte Gruppe unter den Migranten, obwohl sie zahlenmäßig zu der größten gehört.
Woran liegt das, dass nach so vielen Jahren so wenig Gemeinsames entstanden ist?
Hat doch in der Bundesrepublik jeder fünfte Bürger einen Migrationshintergrund und, noch gravierender, jedes dritte Kind unter fünf Jahren. Wir leben also schon längst in einer Gesellschaft vielfältiger Nationen und Kulturen.
Trotzdem gibt es wenig Berührungspunkte  - und oft prägen Vorurteile auf beiden Seiten das Bild. Eine Muslima mit Kopftuch - Betschwester. Ein Jugendlicher mit Goldkettchen und Satinhose - Macker. Eine junge Frau mit Minirock und High-Heels - Tusse.
In meiner Arbeit als Pfarrerin an einem Berufskolleg ist die Vielfalt der Nationen und Religionen Alltag. In beinahe jeder Klasse sitzen dort Deutsche neben Russen, Polinnen neben Türkinnen, Portugiesinnen neben Bosniern, Italienerinnen neben Spaniern.  Und eben auch Muslime neben Katholikinnen, Russisch-Orthodoxe neben Protestanten, Buddhistinnen neben Juden.
Oft bin ich erstaunt, wie wenig meine Schüler untereinander von ihren Bräuchen und Traditionen wissen. Im Religionsunterricht gelingt es, ins Gespräch darüber zu kommen - aber wie ist es in den Stadtteilen, in den Kirchengemeinden?
Wir wissen wenig über  unsere verschiedenen Religionen, die Frömmigkeit, die Feste - und das trotz vieler gemeinsamer Wurzeln. Die Initiative "mehr Dialog: jetzt!" versucht hier anzusetzen. In über 60 Veranstaltungen wird der Dialog, die Begegnung  zwischen Christen und Muslimen in den Mittelpunkt zu gestellt. Drei davon finden in Unna statt (am 16.02., 16.03. und 11.05.2009). 

Ohne den Dialog, das Aufeinander Zugehen der beiden zahlenmäßig größten Weltreligionen kann es keine Integration, kein dauerhaftes friedliches Miteinander geben.
Jesus Christus macht mit Mut, den Blick über den Tellerrand meiner eigenen Religion zu wagen. Er ist auf Andersdenkende und Fremde vorurteilsfrei zugegangen und hat das Gespräch gesucht.
In diesem Sinne lade Sie herzlich ein zu den Veranstaltungen "Begegnung von Christen und Muslimen" in Unna.

Ihre Maike Imort, Pfarrerin am Hansa Berufskolleg Unna