Andacht Mai 2007
Datum: 01-05-07
"Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters." (Philipper 2,11)
Alle sollen mit einer Zunge sprechen - wenn wir das hören, wird uns vielleicht etwas mulmig. Hat es das nicht schon einmal gegeben, in Deutschland, dass alle mit einer Zunge sprechen mussten - und sich nicht trauten, etwas anderes zu sagen, zum Beispiel, was sie wirklich denken?
Auf der anderen Seite: Sind wir es nicht eigentlich leid, dass wir in Talkshows, im Bundestag, in der Zeitung nur noch ein vielstimmiges Gewirr von Meinungen hören in fruchtlosen Debatten? Noch viel schwieriger ist es dabei, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wer hat Recht? Die Gewerkschaften, der Wirtschaftsminister, mein Stammtisch um die Ecke?
Unser Monatsspruch für Mai spricht von einem Traum, der Wirklichkeit werden soll: "Alle Zungen sollen bekennen, das Jesus Christus der Herr ist." Was ist das für ein Traum? Es ist der Traum davon, dass sich alle Menschen darin einig sind, dass nicht das Geld, nicht die Macht, nicht Ruhm und Ehre unter uns herrschen sollen, sondern der, der echte Liebe gelebt hat, Jesus von Nazareth. Seine Herrschaft wird keine Gleichschaltung der Gedanken bedeuten, sondern in Liebe jedem Menschen seinen Raum lassen. Dieser Traum blickt schon voraus auf das Pfingstfest, auf die Feier der Einheit in Verschiedenheit, auf den Atem Gottes, der die menschliche Gemeinschaft durchweht und eine lebendige Vielfalt schafft, in der alle auf ihre Weise dem Leben dienen.
Unser Monatsspruch kennt das Geheimnis dieser Einheit: All das soll zur Ehre Gottes geschehen. Dem Schöpfer dieser Welt, ihm gebühren unser Dank und unsere Liebe. Dann tun wir, was wir tun, nicht mehr zu unserer eigenen Ehre und nicht für unseren eigenen Vorteil, sondern um dem zu dienen, der das Leben geschaffen hat und es erhält.
Wenn wir die Vielfalt der Stimmen unserer Zeit aus dieser Warte hören, dann werden wir sicherer in unserem Urteil und finden unsere eigene, feste Stimme, die mit einstimmt in das Lied von der Herrschaft der Liebe in Jesus Christus.
Das wünscht ihnen Helge Hohmann, Pfarrer für Zuwanderung in der Landesstelle Unna-Massen

