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Der Glockenturm der Thomaskirche in Bergkamen ist noch neu - er wurde 2012 erbaut. Durch die Fassade hindurch sind die Kirchturmglocken zu sehen. Die Kirche selbst steht im Stadtteil Overberge und gehört zur Ev. Friedenskirchengemeinde Bergkamen.

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Sa, 17. Februar 2018

Startschuss für NKF

Fr, 16. Februar 2018

Was für ein Jahr!

Do, 08. Februar 2018

Saisoneröffnung für Pilger

Mi, 24. Januar 2018

Aus dem Kongo nach Unna

Mo, 15. Januar 2018

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Raiffeisens Erbe - Andacht Februar

Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 geboren.

Monatsandacht Februar

Wir feiern einen runden Geburtstag. Im Jahr 1818 wurde der Kirchenkreis Unna gegründet. Das nehmen wir zum Anlass, in jedem Monat einen Blick auf Jubiläen und Geburtstage zu werfen. Das können Personen, Erfindungen oder Ereignisse sein. Nicht immer sind es runde Jubiläen, aber immer stehen sie auch in einem Zusammenhang zu uns oder unserer Arbeit.

In diesem Monat schauen wir auf den Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Das 19. Jahrhundert ist eine gute Zeit für große Ideen. Im Jahr der Entstehung unseres Kirchenkreises, am 30. März 1818, wird ein Mann geboren, der im Westerwald ein reformerisches Wirtschaftsmodell erprobt, das bis heute weltweit praktiziert wird: die Genossenschaft.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, streng christlich erzogen, kann wegen eines Augenleidens nicht Offizier werden und wird Bürgermeister im kleinen Weyerbusch. Nach einem strengen Winter organisiert er die Selbsthilfe des Dorfes, am Anfang noch auf Spendenbasis - doch einige Jahre später meint Raiffeisen zu den Reichen des Dorfes: "Wenn sie nicht mehr mittun wollen, gehe ich hinaus auf die Landstraße und hole mir die Blinden und Lahmen." - und das tut er: In Schicksalsgemeinschaften bürgt auf dem Land jeder für jeden: Die Vereine gewähren Darlehen und machen bald noch mehr - sie werden zu Warengesellschaften, die Saatgut, Vieh und Ackergeräte anschaffen. Raiffeisens Standardwerk wird im 19.Jahrhundert zum Bestseller: "Die Darlehenskassenvereine" - darin steht auch die berühmte Forderung nach Solidarhaftung - die Genossenschaftsmitglieder bürgen "Einer für Alle und Alle für Einen".

Die schlesischen Weber erheben sich 1844 gegen ihre katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die Revolte wird vom preußischen Militär blutig niedergeschlagen. Ab 1845 wird Raiffeisen aktiv gegen die Armut der Landbevölkerung.  Er initiiert einen Schulbau und setzt sich für den Bau einer Straße an den Rhein ein, um den Absatz von Agrarprodukten zu erleichtern. Diese drei Begriffe werden ab sofort sein Leben und seine Arbeit prägen:

Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung.

Raiffeisen wird Bürgermeister von Flammersfeld. Im gleichen Jahr veröffentlichen Karl Marx und Friedrich Engels in London das Kommunistische Manifest. Soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen führen in vielen Teilen Europas zu Revolutionen. Während der deutschen Märzrevolution fordern Aufständische politische Freiheiten und demokratische Reformen. Die Erhebungen werden mit militärischer Gewalt niedergeschlagen.

1852 wird Raiffeisen Bürgermeister von Heddesdorf (heute ein Stadtteil von Neuwied), wo er die Folgen der industriellen Revolution für die Stadtbevölkerung hautnah erlebt. Nach zwei Jahren gründet er den „Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein“ für die Fürsorge für verwahrloste Kinder sowie deren Erziehung, den Kauf von Vieh für unbemittelte Landleute, die Beschäftigung entlassener Sträflinge und die Errichtung einer Kreditkasse für Bedürftige. Wesentliche Unterstützung für sein Vorgehen fand Raiffeisen beim Haus Wied und seinem Fürsten Wilhelm. Das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ findet heute bei vielen Mikrofinanzinstituten in Entwicklungsländern Anwendung.

Das genossenschaftliche Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“

Ein Jahr, nachdem Raiffeisen aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt worden ist, veröffentlicht er – mit wesentlicher Unterstützung seiner Tochter Amalie – sein Buch „Die Darlehnskassenvereine als Mittel zur Abhülfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter“. Das Buch wird ein Erfolg. Vier Jahre später existieren in der preußischen Rheinprovinz bereits 75 solcher Vereine. Neben den Vereinen thematisiert das Buch auch andere Genossenschaftsarten wie Konsum-, Verkaufs-, Winzer-, Molkerei- und Viehversicherungsgenossenschaften.

1872 gründet er die Geldausgleichsstelle der „Rheinischen Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank“ und 1874 die „Deutsche Landwirtschaftliche Generalbank“, durch die die Vereine einander finanziell unterstützen können.

1877 ruft Raiffeisen den ersten Spitzenverband der ländlichen Genossenschaften ins Leben: Im „Anwaltschaftsverband ländlicher Genossenschaften” schließen sich in Neuwied 24 Darlehnskassenvereine zusammen. Der Verband soll der Verbreitung der Darlehenskassen, der gemeinsamen Interessenvertretung und dem gemeinsamen Ein- und Verkauf dienen.

Sein Wirken ist zutiefst christlich geprägt Es ging Raiffeisen um das Wohl der Menschen und Familien, um die Bekämpfung von Arbeit und um Perspektiven für kommende Generationen.  Dieser Mann, der im Gründungsjahr unseres Kirchenkreises Unna geboren wurde, gehört zweifellos zu den Großen des Glaubens und der Tat im 19. Jahrhundert.

Hans-Martin Böcker
Superintendent
 

1984 wird die Straße von Weyerbusch nach Neuwied, Teil der heutigen Bundesstraße 256, zur „Historischen Raiffeisenstraße“.

Die Ausstellung im Raiffeisenhaus in Flammersfeld, in dem ehemaligen Wohnhaus und der Bürgermeisterei, stellt das Wirken Raiffeisens und die Entstehung des heutigen Genossenschaftswesens dar.

2012 wird die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft gegründet. Vereinsziel sind die „Pflege und Würdigung des Lebenswerkes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seines in Schriften und Reden überkommenen geistigen Erbes“, die „Förderung des darauf beruhenden Genossenschaftsgedankens in Deutschland“ sowie die Auseinandersetzung mit dem Genossenschaftswesen.

Heute beschäftigen die ländlichen Genossenschaften über 107.000 Mitarbeiter und gehören damit zu den wichtigsten Arbeitgebern im ländlichen Raum. Das Genossenschaftsbankwesen beschäftigt heute rund 187.000 Voll- und Teilzeitkräfte.