Informationen
zum Hintergrund-
bild - bitte klicken
Sie hier.

Im Bild

Ev. Kirche Billmerich - Am 6. März 1934 wurde die Kirche eingeweiht, gebaut von Arbeitslosen und Bauern, die sich für ihre eigene Dorfkirche einsetzten. So ist mitten in dem Dorf neben Kindertagesstätte und Gemeindehaus ein evangelisches Zentrum entstanden. Seit 2012 wächst um die Radfahr-Kirche ein Bibelgarten, der neue Zugänge zum Glauben eröfffnet. Öffnungszeiten: Mo.- bis Sa.: 10 bis 14 Uhr- Mittagsgebet um 12 uhr, Do.: von 8 bis 12.30 und 14.30 bis 19 Uhr. (Gebetszeiten um 8, 12 und 18 Uhr. Anschrift: Holzwickeder Str. 2, 59427 Unna

Zurück zur Seite

11. Juni 2024

Interview mit Superintendent Schneider

Feierstunde zum 25-jährigen Ordinationsjubiläum von Superintendent Dr. Karsten Schneider.

"Attraktive Zentren schaffen"

Auf den Tag genau feierte Superintendent Dr. Karsten Schneider am 6. Juni sein 25-jähriges Ordinationsjubiläum im Haus der Kirche in Unna. In seiner Rede blicke er auf die vergangenen Jahre zurück. Erzählte von seinem Entschluss, Theologie zu studieren und berichtete mit kleinen Anekdoten von seinem Werdegang. Dabei verschwieg er auch nicht, dass ihm Unna bis vor vier, fünf Jahren kein Begriff gewesen sei. Vor der Superintendentenwahl, die er in einem wahren Wahlmarathon 2020 gewann, schaute er sich Unna und seine Kirchen deshalb genau an. Heute ist er glücklich im Ev. Kirchenkreis Unna angekommen. „Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf“, dankte er den Kolleg*innen und den Mitarbeitenden. Auch seiner Frau Dörthe galt ein sehr emotionaler Dank, denn sie müsse stets alles mittragen.

Dr. Karsten Schneider erzählte auch von den kirchlichen Veränderungen und Entwicklungen in den zurückliegenden Jahren. So sei es zu seiner Zeit nicht einfach gewesen eine Pfarrstelle zu finden, „da gab es schon mal 25 Bewerber*innen auf eine Stelle“. Veränderungen und Entwicklungsprozesse prägen auch die heutige Zeit, so spricht Superintendent Schneider im nachfolgenden Interview über den Pfarrberuf und die kirchlichen Herausforderungen.

 

Warum haben Sie sich für den Beruf des Pfarrers entschieden? Was war Ihre Motivation?

Schneider: „Ich war schon als junger Mensch davon überzeugt, als Pfarrer durch Seelsorge, Verkündigung der Liebe Gottes und diakonisches Handeln etwas Sinnvolles und Sinnstiftendes tun zu können - zum Wohle vieler einzelner Menschen und unserer Gesellschaft insgesamt. Das hat mich angetrieben und getragen - und tut es heute noch.“

Was sagen sie heute jungen Menschen, die den Wunsch haben Pfarrer*innen zu werden?

Schneider: „Mir ist es wichtig, den eben genannten Aspekt der Sinnhaftigkeit auch hier zu nennen. Es ist einfach wunderbar und erfüllend, so nah bei den Menschen zu sein, wie man es als Pfarrer*in ist, auf diese Weise Anteil zu haben an Sorgen, Leid und Trauer, aber auch an Freude und Glück, am Alltag und an den besonderen Festen - durch alle Generationen und alle sozialen Schichten hindurch. Kein anderer Beruf kann dies in solch umfassender Weise bieten! - Zudem verweise ich aktuell gern darauf, dass es mit Sicherheit einen festen Arbeitsplatz geben wird, weil wir ja viel zu wenig Nachwuchs-Pfarrer*innen haben.“

Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren im Pfarrberuf, der Gemeindearbeit und der Ev. Kirche verändert?

Schneider: „Die Ev. Kirche hat sich rasant verändert - und ist weiter in einem Wandlungsprozess begriffen. Pfarrer*innen müssen noch mehr als früher schon organisieren und verwalten, werden immer mehr zu Anleiter*innen von Ehrenamtlichen in Arbeitsfeldern, die sie zuvor komplett selbst betreut haben wie z.B. der Seelsorge. Die Aufgabenstellungen im Pfarrberuf sind deutlich komplexer und weiter geworden, neue Horizonte z.B. beim Schutz vor sexualisierter Gewalt, beim Klimaschutz, beim Umgang mit sozialen Medien usw. sind gewonnen worden. Die `Konkurrenz´ für Kirche ist aber auch sehr viel größer geworden, weil es immer mehr vorgebliche Sinndeutungen in dieser Welt gibt. Darauf haben wir als Ev. Kirche mit vielen Veränderungen geantwortet, z.B. mit mehr zielgruppenspezifischen Gottesdiensten, mit großen Tauffesten bis hin zu Pop-up-Hochzeiten und mit noch anderen modernen Formen der Verkündigung und des Feierns von Schnittstellen im Leben.“ 

Wie muss sich „Kirche“ weiterentwickeln, um attraktiv zu sein?

Schneider: „Es wird eine große Herausforderung sein, mit deutlich weniger Geld, mit deutlich weniger Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen als früher und mit deutlich weniger Gebäuden weiterhin nah bei den Menschen zu sein. Das wird wahrscheinlich nur gelingen, wenn wir die breite Versorgung mit dem `Vollsortiment´ einer traditionellen Gemeinde in der Fläche aufgeben, weil wir sie schlichtweg nicht mehr anbieten können. Stattdessen müssen wir attraktive Zentren schaffen, zu denen die Menschen gerne auch von weiter her kommen. Diese Zentren dürfen sich auch gerne voneinander unterscheiden und sollten auch jeweils eigene Profile haben, z.B. hinsichtlich der Gottesdienste, des Musikstils, der Kunstauffassung, der seelsorglich-diakonischen Prägung, der angebotenen Aktivitäten, der Einrichtung der Räumlichkeiten... Nur in einem müssen wir unseren unverwechselbaren Markenkern deutlich behalten, nämlich in dem Bezug auf unsere biblische Grundlage und die Verkündigung der frohen Botschaft von der Liebe Gottes.“

sd