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Andacht Februar 2007

Losgehen und den Weg finden
Losgehen und den Weg finden

Datum: 06-02-07

Andacht

"Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken."  (Jesaja 55,8-9)

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Den eigenen Weg gehen oder erlaufen, - dies als Einzelne/r, als Team, als Familie, als Gemeinde und Gesellschaft - dieses Thema ist eines, das sich immer deutlicher abzeichnet in unsrer Suche nach Sinn, nach UNSEREN LEBENSLÄUFEN!

Nicht sitzen bleiben oder gar nicht erst loslaufen, sondern Kreise ziehen und Wege aufnehmen, sportlich und auch geistig und spirituell - und dabei das eigene Tempo finden.

Hape Kerkeling hat dies in seinem Tagebuch über das Erlaufen des Pilgerweges nach Santiago de la Compostela in Nordspanien eindrücklich erzählt und ausgewertet. In diesem Buch unter dem Titel: "Ich bin dann mal weg", folgert er: "In unserer nahezu entspiritualisierten westlichen Welt mangelt es leider an geeigneten Initiationsritualen, die für jeden Menschen eigentlich überlebenswichtig sind. Der Camino ( der Jakobsweg) bietet eine...echte Möglichkeit, sich zu stellen. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen." ( S. 342) 

In den Kontext dieses gelungenen Versuches, aus Irrwegen und Angst vor zu hohen Anforderungen keine Klarheit mehr zu bekommen, stelle ich die verlockende Aussage des Propheten Jesaja aus dem Alten Testament.

Jesaja wendet sich an das Volk Israel, das durch jahrzehntelange Gefangenschaft und Ächtung im mächtigen Land Babylonien, die Kraft verloren hat, sich auf die Zusage Gottes auf einen eigenen Weg mit diesem kleinen, besonderen Volk einzulassen.  

Dort, wo uns etwas Angst macht, uns hemmt, den Weg versperrt, - genau dort schafft Gott Neues, das sprießt! Wege die nicht unsere Wege sind, sondern höher, eben Gotteswege - Sehen wir?s denn nicht?  So fragt uns auch die Jahreslosung - Der Ort, an dem wir so etwas erleben können, ist das Hereinbrechen der Ewigkeit in unsere Zeit. Gottes Ewigkeit ist nicht jenseits, sondern blüht mitten im Alltag auf, um von uns wahrgenommen zu werden. 

Für ein neues Jahr einen neuen Weg, - 2007 will durchwandert und durchlaufen werden, in einem Geist, den Paul Gerhardt in seinem bekannten Lied ?Geh aus, mein Herz und suche Freud´...? so besingt: "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum und laß mich Wurzeln treiben..." (EG 503,10)

In dieser Haltung mögen wir Gottes Wege mit uns neue für wahr nehmen, im Losgehen, in dem Tempo, das Raum gibt, Ewigkeit in unsere Zeit hineinfließen zu lassen -...und vielleicht können wir schon nach Wochen und Monaten mit einem dankbaren Blick zurück erkennen, dass wir durch Gottes Güte in Gang kommen und Losgehen, geprägt von dem, was in unserer Zeit so wichtig ist: das Gebot der Nachhaltigkeit. Wenn wir das Einbrechen von Gottes Zeit in unsere Zeit wahrnehmen und fördern, kann unsere Zuversicht wachsen, dass wir weder die Erde, noch andere, noch uns selbst ausplündern müssen. Solch ein Wachstum und solche Zuversicht möge uns auf unseren Wegen in diesem Jahr begleiten.   

Pfarrer Burkhardt Möhring-Plath, Schulpfarrer

 

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